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Jeschurun · 1856-08-01 · Heft 11 (August 1856) · p. 574

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 11 (August 1856)
Article
Aw
Date
1856-08-01
Page
574 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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574 Aw. man daraus seinen Wandel dem göttlichen Gesetze entfremdet, so wird man auch bald Diejenigen verachten , die noch die Treue dem göttlichen Gesetze im Leben bewahren מואס באחרים העושים. Es kann nicht ausbleiben, daß man sich im Gegensätze zu den Gesetzestreuen fühle. Eben weil das Judenthum ein Leben gestaltendes Gesetz ist, tritt der Gegensatz aller Wege zu Tage. Wäre es ein ״Glaube", ein System des Meinens und Dafürhaltens, ein Bekenntniß, man könnte die Erscheinung des Glaubens in die Kirchen verweisen, ein gegenseitiges Compromiß brauchte nur religiöse Gegenstände aus der Unterhaltung zu bannen, und in dem außerktrchlichen Leben wäre alle ״Glaubensdtfferenz" verwischt, der bloße Anstand genügte, Jeden mit seinem Gewissen in das stille Zwiegespräch mit Gott, oder in die Jsolirung der Kirchen zu weisen. Allein das Judenthum ist Gesetz, manifesttrt sich in That, in Leben, das zesetztreue Leben ist ein anderes, als das dem Gesetz entfremdete, That und Leben lassen sich nicht verheimlichen, nicht verschleiern, nicht in die beschauliche Stille, wo nur Gott Zeuge ist, bannen, in allen Fugen des Familien- und socialen Lebens begegnet der vom göttlichen Gesetz Abgefallene seinem Gegensatz, und bei jedem Schritte wird er auf's neue zur Entscheidung über sich und seinen Bruder gedrängt. Jeder gesehestreue Jude ist dem Gesetzentfremdeten ein lebendiger Vorwurf, er muß diesen Vorwurf in feinem Innern zur Ucberwindung brtngen, und er überwindet ihn zuerst durch — Verachtung! Verdämmen, tadeln kann er ja die Gewissenhaftigkeit nicht, die ihm in dem gesetzestreuen Leben mit stillem Vorwurf entgegentritt, verdammen, tadeln nicht die sittliche Kraft, die in der Selbstbeherrschung, in der Opferfreudigkeit, in der Verzichtleistung auf so manches glänzendc Gut, aus so manchen glänzenden Genuß um eines höheren Gedankens willen, die in dem ganzen Ernste des gesctzestreuen jübischen Lebens auch dem blödesten äuge entgegenleuchtet. Verdammen, tadeln kann er das Alles nicht. So muß er denn suchen, es vernichten zu lernen, um in seinen eigenen Augen Rechtfertigung zu finden. So muß er denn sich einen Standpunkt suchen, auf welchem er sich über diese Gesetzestreue erhaben träumen dürfte, von welchem er mit mitleidigem Verachten auf Diejenigen hinabblicken könnte, die sich noch in den Schranken des göttlicheil Gesetzes bewegen, er muß sich bereden, seine Sophismen, seine Weisheit,

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