Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 562 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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506 ward freilich durch die Intervention des königl. Consistoriums vorläufig irchibirt, neuerdings aber auf Entscheidung von Berlin her wieder aufgenommen, und ist der richterliche Spruch nunmehr dahin erfolgt, daß der Verklagte wegen Beleidigung der Behörden zu 50 Thlr. Geldbuße, event. 4 Wochen Gefängniß, verurtheilt ist. (P. Z.) Die ״Ostpr. Ztg." ergänzt die neuliche Mittheilung über die Er- Werbung des Oelbergs durch Frau Dorothea Pollack aus Königsberg in Preußen dahin, daß Frau Pollack den Oelberg zum Begräbuißort für die deutsch-polnische Judengemeinde in Jerusalem bestimmt hat, von deren Krankenhause sie längst schon Ober-Vorsteherin ist. Der angekaufte Platz beträgt 1500 Quadratfuß und die darüber ausgefertigte Urkunde ist in altarabischem Canzleistyl sowie in neuhebräischer Sprache abgefaßt und von den europäischen Consuln beglaubigt. Frankreich. Die Juden im Elsaß und der Wucher. Unter diesem Titel enthält die Presse vom 6. Mai einen Artikel aus der Feder des Prästdenten des 00u818t0ü6׳ central Cerfberr, dem wir Folgendes entnehmen: Seit undenklichen Zeiten lastet auf den Juden im Allgemeinen und den elsasser Inden insbesondere eine Beschuldigung hinsichtlich ihrer angeblichen Geneigtheit zum Wucher und der daraus für die Landbevölkerung erwachsenden traurigen Folgen. Wir sind überzeugt, dieser alte Vorwurf des Wuchers ist vorzüglich daran Schuld , daß die Schweiz sich noch heute der Zulassung von Juden in ihrem Gebiete widersetzt. Diese Frage ist zu ernst, um nicht eine gründliche Prüfung zu verdienen. Einstweilen hören wir einmal Herrn E schb ach, Stabführer des Advokatenstandes und einer der Sommitäten der Strasburger Barre. Dieser durch seinen Beruf in täglicher Berührung mit den Bauern stehende Advokat äußert sich über diesen Punkt in seiner jetzt in dritter Auflage erschienenen ״allgemeinen Einleitung in das Studium der Rechtswissenschaft": ״Unaufhörlich hört man die Behauptung: die üble Lage, ja der Ruin unserer Landsleute sei den Veraubungen zuzuschreiben, welche sie von den unter ihnen wohnenden Juden litten. Das ist übertrieben. Es giebt tausend und ein Ursachen, auf welche das Herabkommen ״des elsasser Bauern zurückzuführen ist, unter welchen die Wirkung einiger jüdischer ״Ausbeuter" wie unmerklich verschwindet. Diese Ursachen sind allgemeine und besondere. Allgemeine: denn es ist nicht nur der elsasser Bauer, dessen Lage eine verzweifelte ist. Man weiß in welcher äußersten Verlegenheit die Güter des Grund-Vermögens in Frankreich sich befinden, weiß, daß die Hypothekenschuld dort zu der monströsen Summe von 12 Milliarden sich erhebt, daß 46 Departements mit mehr als je 100 Millionen belastet sind und daß unter diesen das Departement Niederrhein erst die 29ste Stelle cinnimmt, und das Departement Oberrhem