Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Die Conferenzen der Grands Rabbins zu Paris
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 560 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932832-2939950--01721-2940035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
560 Die Conftrenzen Conserenzen der ״religiöse Unterricht" als so etwas Vorletztes erscheint, die Sorge für die Synagoge so überwiegend in den Vordergrund tritt und das eigentliche jüdische praktische Leben, wo über Leben und Tod des göttlichen Gesetzes entschieden wird, und wo der Sitz der Krankheit unserer Tage aufzusuchen ist, nicht einmal einer Silbe des Erwähnens, gewürdigt wird, und man doch ganz eigentlich zusammen gekommen war, die Mittel für die ״religiöse und sittliche Verbesserung" zu besprechen — das ist's, was uns aufs tiefste beklagenswerth erschienen. Was nun die für die Hebung des religiösen Unterrichts adoptirten Maßregeln betrifft, so wünschen wir von Herzen, daß dieselben dem hohen Zwecke ausgiebig entsprechend befunden werden mögen. Wir sind mit den pädagogischen und ״geistlichen" Zuständen und Begriffen Frankreichs zu wenig vertraut, um uns darüber aus der Ferne ein Urthetl erlauben zu dürfen. Es fehlt uns der Maßstab für den Begriff einer 6cole normale israelite, für ölövesmaitres des dcoles normales, und insbesondere für aumöniers israelites, für jüdische ״Almoseniers", denender Unterricht der jübischen Zöglinge in den öffentlichen Anstalten anvertraut werden soll. > Einen Gedanke» können wir nicht unterdrücken. Weitaus den größten Thetl der jüdischen Kultus- und Rabbinats-Kvsten trägt in Frankreich der Staat. Wenn nun unsere französischen Brüder auch nur im Verhältniß das für Unterrtchtszwecke verwenden würden, was ihre Brüder in allen andern Staaten allein für Kultus- und Rabbinatszwecke zu verausgaben haben, es müßten die französischen Gemeinden sich jüdischer Schulen und Lehranstalten in einer Ausdehnnng und Vollendung zu erfreuen haben können, auf welche andere Länder wegen unzureichender Mittel mit Schmerzen verzichten müssen. Und zwar denken wir hier nicht blos an jüdische Elementar- und Armenschulen, noch viel weniger an sogenannte jüdische Reltgionsschuken, sondern an jüdische Lehranstalten, die unfern deutschen höher» Bürgerschulen und Gymnasien entsprächen, in welchen die europäische und speciell jüdische Bildung und Wissenschaft Hand in Hand mit gleich ernster Sorgfalt gepflegt und dadurch nicht nur Kinder, sondern auch Jünglinge und Jungfrauen, und nicht blos die Söhne und Töchter der Armen, sondern auch die Jugend der Begüterten an den Brüsten wahrhaft jüdischer und universeller Bildung herangenährt würden und somit dem klaffenden Bruch unserer Zeit die Heilung in einem Maaße bereitet werden könnte, wie man sie kaum auf irgend einem andern Terrain und am allerwenigsten durch sogenannte Kultus-Reformen auch nur von Ferne anzustreben vermag.