Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 549 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabban Gamaliel'S Bannstrenge. 549 schieden war. Ist dies aber so, so kann R. G. vielleicht nur darüber ungehalten worben sein, daß R. Zosua seine Ansicht zu rasch und stillschweigend zurückgezogen hatte, ohne sie erst in der Versammlung zur Diskussion gebracht zu haben. Darüber lassen sich jedoch nur Vermnthungen aufstellen. Daß jedoch bei diesem ganzen Vorfall weder die Versammlung, noch R. Josua, noch R. Gamaliel von den Schwächen, Leidenschaften und Parteibestrebungen geleitet waren, die uns der Berf. als Hebel der Ereignisse schildert, das ist aus Allem klar. Ueberhaupt bezeugt dieser ganze Vorgang selbst das ganze Irrige dieser Auffassung, die uns der Derf. von der Zeit, der Persönlichkeit und den Bestrebungen des R. Gamaliel gtebt. Wo Amt, Macht und Würde des ״religiösen Oberhauptes" so nur von dem dauernden Vertrauen der Volksgemeine bedingt und getragen, und die Autonomie dieser Volksgemeine so gewahrt und unantastbar war, daß sie zu jeder Zeit und augenblicklich das misliebige ״religiöse Oberhaupt" abzusetzen im Stande und bereit war, ״den וגעבריה" , da konnte sich das ״religiöse Oberhaupt" keine hterarchtschen Anmaßungen gelüsten lassen, da mußten seine ״Maßregeln" immer im billigenden Einklang der Menge stehen, da bedurfte es keiner heimlichen Verschwörungen, da war überhaupt nicht die Atmosphäre, in welcher sich die Dünste stiller Unzufriedenheit bis zum losbrechenden Gewitter zu sammeln hatten — und wo dieses ״religiöse Oberhaupt" nach seiner Absetzung doch keinen Augenblick aus dem Lehrhause fern blieb, vielmehr fortan der Lehrversammluug unter dem Vorsitze eines achtzehnjährigen Nachfolgers als sich betheiligender Zuhörer ununterbrochen beiwohnte, die er bis dahin fahrelang selbst in Macht und Würde geleitet — wo dieses ״religiöse Oberhaupt" sich auch sehr bald aus Verehrung der hohen Lehrweisheit des von ihm gekränkten Mannes selbst in die Wohnung desselben begtebt, um ihn wegen des Geschehenen zu versöhnen, da war auch dieses ״religiöse Oberhaupt" gar nicht aus dem Holz gemacht, aus welchem man großinqutsitorische Hierarchen schnitzt, da war in ihm die Liebe zur Thora zu rein und lebendig und heilig, da galt ihm die Sache selbst viel zu viel, als daß er sie durch hierarchische Anmaßungen, durch persönliche Macht und Würde berechnende Maß- -nahmen, selbst in der besten Absicht, wie der Verf. beschönigt, zu entwürdigen im Stande gewesen wäre.