Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Thamus
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 527 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Fasttag der Einnahme Jerusalems. 527 insbesondere ihr Sohn, der Zeit-Geist, dessen vorgebliche Diktate dieses Alles vollbrachten, erwuchs ihrer Einbildung zu einer wirklichen Macht, zu einer dämonenartigen Gewalt, der selber zu folgen sie allerdings nun um keinen Preis sich entschlossen hätten, die aber besiegen zu können sie für immer verzweifelten. So ließen sie geschehen, was sie nicht ändern zu können vermeinten und glaubten noch durch sogenannte Nachgiebigkeit der Sache Gottes um so mehr zu dienen, da man ihnen vorspiegelte, Widerstand, ja auch nur Widerspruch würde das Arge nur noch ärger machen. Man beredete sie, die großen starken Meister und Träger unserer Vergangenheit würden in einer solchen Zeit auch von ihrer Entschiedenheit und Festigkeit in weiser Nachgiebigkeit abgelassen haben, während doch jedes Blatt unserer Urkunden bezeugt, wie von einer solchen Conni- Venz ihre Weisheit nichts wußte. Die Männer, die unser Volk mit Recht die Weisen nennt, fürchteten keine Zeit und trugen vor keinem Geist der Zeiten Scheu. Sie kannten die Nichtigkeit eines jeden Geistes, der im Widerspruch gegen Gottes ewiges Gesetz seinen Boden sucht. Sie wußten כי גואלם חי ואחרון על עפר יקום, daß ihr Erlöser lebe und noch als der Letzte da stehen.werde, wenn auch alles Andere sich als Staub der Vergänglichkeit erwiesen. Sie wußten, die Zeit sind wir, und Zeitgeist ist der Menschen Geist, an dem wir Alle unser Theil mtttragen. Der Geist, der in Jedem von uns lebendig ist, gehört mit zum Geist der Zeit, und mit jedem Gedanken, jeder Gesinnung, die wir in uns beleben und sie durch Wort und That zur Anschauung und Verwirklichung bringen, daß sie mit sichtbar werden in dem geistigen Fonds, zu welchem jeder Zeitgenosse bewußt und unbewußt seinen Beitrag liefert — mit jedem laut gewordenen Gedanken, mit jeder That gewordenen Gesinnung wirkt Jeder ein auf den Geist der Zeit und je lauter das Wort, je entschiedener die That, um so mächtiger der Eindruck, um so bedeutender die Spende zum Geist der Zeit. Das wußten sic. Je trüber daher sie die Erkenntniß des Wahren unb je schwankender sie die Treue für das Wahre in irgend einer Zeit erblickten, um so mächtiger fühlten sie sich berufen mit Entschiedenheit das Wort der Wahrheit zu sprechen, und mit doppeltem Ernst die Treue in That zu besiegeln. ״ אתם ערי ואגי אלihr seid meine Zeugen und ich bin Gott". Der Gottesruf bestimmte all ihr Thun und