Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Zur Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 504 (sequence 7)
- Language
- German
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504 Zur Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland. durch die Verbündeten im Jahre 1740 verschaffte ein reicher und angesehner Jude in Amsterdam, Jsaac de Pinto aus seinem eignen Vermögen und dem seiner Glaubensgenossen dem Staate sehr dedeutende Summen zu einem viel ntedrigern Zinsfüße als die Regiernng, deren Kassen gänzlich erschöpft waren, dennoch zu zahlen genöthtgt war, welch« schöne patriotische That den Schatzkanzler in einem Briefe an de Pinto zu schreiben bewog, daß er den Staat gerettet hatte. 1750 trug derselbe viel dazu bei, daß die Interessen der Obligationen des Statthalters von 4 auf 3 Procent herabgesetzt wurden , ein Resultat, das sein Neffe Francisco de Ttmenes Belmonte nach ihm weiter verfolgte, an dessen Stelle später ein Sohn Jmanuel trat. Der Retchthum, der Aufwand dieser Familie war so groß, daß sie überall viele Neider und Mißgünstige weckten. Eine nicht weniger bedeutende hervorragende Stellung nahm um diese Zeit in der diplomatischen Welt M. Schooneberg (die holländische Uebersctzung des Namens Jacob Abraham de Belmonte, welchen Namen ein anderer Zweig der Familie führt) ein. Er war außerordentlicher Gesandter deS englischen Höfes beim Könige von Spanien, und war in dieser Eigenschaft mit der Vertretung der niederländischen Interessen betraut. Er leistete in dieser Hinsicht dem König Wilhelm sehr große Dienste, besonders durch seine genauereu Berichte über den Stand der Dinge, als durch den Tod Karls II, der keine Kinder hiuterlaffen, die alte Linie der spanischen Könige ausgestorben war und die meisten Mächte Ansprüche auf den vacanten Thron erhoben. Er bekleidete diesen Posten in ununterbrochener Thätigkeit, bis er später nach Lissabon gesandt wurde, wo er 1717 starb. Der Erzherzog, später Kaiser Karl II,-dessen Interessen er mit vielem Eifer Frankreich gegenüber vertreten hatte, erhob ihn in einem Dccrete, das noch in seiner Familie vorhanden, zum Marquis einer Herrschaft in Brabant. Er hinterließ den Ruf eines Mannes, der in seinen verschiedenartigen Funktionen in einer ausgezeichneten Weise seine Pflichten treu erfüllt hat. Nicht minder große Dienste leistete Isaak (Baron Antonia) Sopez Suasso von Haag dem Staate in dem denkwürdigen Jahre 1680, indem er Wilhelm III, als dieser eine Expedition gegen England ausrüstete, zwei Millionen Gulden ohne Interessen vorschoß und, ohne auch nur eine Empfangsbescheinigung zu verlangen, folgende Worte htnznfügte: ״Wenn Sie glücklich sind, so bin ich überzeugt, wird mir diese Summe zurückerstattet werden; wenn Ihr Unternehmen aber mißlingt, nun denn, so mag sie für mich verloren sein." Dieser schöne Zug fand so viel Anerkennug, daß selbst Friedrich der Große, der doch eben kein Freund der Juden war, ihn in seinen Memoiren erwähnt. (Nach dem Univ. Isr.)