Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Zur Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 498 (sequence 1)
- Language
- German
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Jur Geschichte -er Niederlassung der Juden in Holland. Die Bildung einer jüdischen Gemeinde im Haag ist ein Ereigniß, welches uns die Geschichte der Juden von einer neuen, interessanten Sette betrachten läßt. Die Wirksamkeit und Ausdehnung ihres Einflusses, während der wichtigen politischen Verhandlungen, die damals die Geschicke Europa's bestimmten, tritt hierbei glänzend hervor. In richtiger Würdigung ihrer Gewandtheit benutzte Wil- Helm III sie gern und häufig zu diplomatischen Missionen; er hatte Grund, dies Vertraue» nicht zu bereuen. So folgten einem fast ausschließlich dem Handel zugewandten halben Jahrhundert 50 Jahre einer mehr politisch wirksamen Thättgkeit; und wenn etwas später, mit der inzwischen eingetretenen Veränderung in der Stellung der niederländischen Staaten zu den übrigen Staaten, selbst der Einfluß der hervorragendsten portugiesischen Juden abnahm, so hob sich dafür sichtlich die in stetem Zunehmen begriffene Thätigkett der deutschen Juden, die am Ende dieser Periode sich von nicht geringer Wichtigkeit für ihre Emanzipation und ihre bürgerliche Verschmelzung mit der holländischen Nation bewährte. Bereits zur Zeit der Revolution von 1672 hatten sich einige Juden im Haag niedergelassen, jedoch der Erste, der einen Bürgerbrief erhielt, war Abraham Polak, im Jahre 1675. Die Gemeinde nahm bald merklich zu, besonders als mehrere reiche Juden sich hier ntederließen und in einem schönen Stadttheile Häuser käuflich an sich brachten, so eine Anzahl Gebäude auf dem Grunde, wo früher der Hof Bredewde gewesen war. Im Jahre 1693 versammelten die portugiesischen und auch einige deutsche Juden sich im Hause Jakob Abenhakar Verga's, und Emanuel Levy und Moses de Pinto (von dem der verstorbene F. Pinto abstammte) entwarfen hieraus ein Gemeinde - Statnt. Dieses wurde von der Regierung genehmigt und bestätigt, und sie wies nun den Juden nahe bei der Scheveninger Straße ein Feld an zur Bestattung ihrer Leichen. Es wird berichtet — fährt Herr Kinnen, dessen größerem Werke diese Skizze entnommen, fort — daß die Häupter der Gemeinde, die nach den Traditionen ihrer Väter großen Werth darauf legten, daß