Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- Nissan
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 360 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Die vier jüdischen Toaste. dete, freigewordene Mensch die Entbürdung und Freiheit als ein Gottesgeschenk hinnehmen, muß in Gott die Quelle seiner Freiheit erkennen und sich eben durch seine Freiheit Gott für ewig verbunden und hörig fühlen. Nehmt dem keuchenden Menschen die Last von der Schulter, lost dem Geknechteten die Sklavensesseln; aber bethöret den entbürbeten Freien, wie er keinen Menschen und keine Naturgewalt zu fürchten habe) so habe er auch überall keinen Herrn, sei überall Keinem für sein Dasein und Leben verpflichtet, trage überall Keinem Verantwortung für sein Thun und Lassen, habe überall keinen Herrn und Meister, keinen Gesetzgeber und Gebieter, — täuschet ihn über die Bedeutung seiner Freiheit, über das Bereich seiner Unabhängigkeit, und über die Gotteshörigkeit seines aus Erden frei gewordenen Wesens, und ihr habt nicht nur dem Entbürdeten, Freien die Erreichung seiner göttlichen Bestimmung auf Erden geraubt, ihr habt seiner Freiheit selbst den Boden entrissen, und ihm den einzigen Talisman vorenthalten, der ihn für immer frei zu machen verstünde, der ihn für ewig jeder Fessel entrisse und seine Freiheit für ewig mit seinem Wesen verknüpfte. Nur der einzige Freie, der allein über allen Zwang der Nothwendigkett steht, weil er selber erst alle Macht und alle Gesetze zwingender Nöthtgung gesetzt, nur Gott, indem Er uns mit sich verknüpft, und uns in das Reich seiner Freiheit emporhebt, nur Gott kann uns frei machen. Tilgt dem Menschen diesen Gedanken: ״Gott" aus der Brust, und ihr habt ihm seine Freiheit vernichtet. Bürdelos, feffellos im Aeußern, erwächst ihm der schlimmste Tyrann im eigenen Busen, Sklav seiner Triebe, Leidenschaften und Begierden sinkt er hin. Und diese innere Unfreiheit hat auch von je und je Tyrannei und Sklaventhum in der Gesellschaft, vor Götzen zitternde Geistesknechtschaft im Naturleben, und im Trüben fischendes, Geist und Gemüth knechtendes Götzenpsaffenthum erzeugt. Der Mensch, die Gesellschaft, die nicht ihre Freiheit in Gott gewonnen, sinkt unrettbar immer wieder und' wieder der Sklaverei anheim. Darum den dritten Becher Ihm, der nicht nur von der Schulter die Last, und von Hand und Fuß die Fessel uns genommen, sondern der Sich uns als den Spender, als die Quelle dieser Freiheit gezeigt, der uns Freiheit nur als גאולה, als ״Auslösung",