Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- Nissan
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 354 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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354, Die vier jüdische« Toaste. mensinkend unter der Bürde bleibt der Mensch noch — frei. Machet alle Tage eines Menschen zu Fest- und Feiertagen, kleidet ihn in Goldbrokade, füttert ihn mit Marzipan, gebet ihm Alles — nur sich selber nicht, nur nicht die freie Disposition über seine Kräfte, — gebet ihm Alles, aber gebet ihm Alles, lasset ihn nichts sich selber verdanken, nichts für sclbstgesetze Zwecke Mit selbst gewählten Mitteln erstreben, machet ihn zum abhängigen Spielball der Entschlüsse der Launen und der Willkühr eines Sterblichen gleich ihm — knüpfet sein Dasein, sein Leben, seine That an den Augenwink eines Stcrblichen gleich ihm; — oder nehmt ihm das Bewußtsein der in allen Erscheinungen der Natur, aus allen Ereignissen der Geschichte zu ihm sprechenden, für ihn sorgenden, sein Heil erzielenden Wallung eines in Liebe und Recht allmächtig frei waltenden Gottes, und gebt ihm dafür den Glauben an blindwirkende Kräfte in der Natur, an blind waltende Mächte in der Geschichte, die über sein Dasein, sein Leben, seine That, mit blind zwingender Nothigung würfeln — und ihr habt den goldgeschmückten, süßgesütterten Feiertags-Menschen zu einem zitternden Sklaven gemacht, habt ihn seiner Menschenwürde entkleidet, habt ihm seine Mcnschenbestimmung geraubt, habt die Freiheit tu ihm getodtet. Und nun raubet einem Menschen die Freiheit und machet ihn zugleich zum Sclaven eines fürchtenden Hasses, der mit Athem versagender Last ihn bebürdet und mit höhnenden Bitterkeiten ihn tränkt — und ihr habt den jüdischen Sklaven in Mtzrajtm: עברים היינו לפרעה במצרים. Sklaven — in Mtzrajtm! In Egypten war ohnehin die Freiheit begraben, in Egypten ohnehin die Menschenwürde getödtct, Freie gab es ohnehin in Egypten nicht. Wenn noch heute nach so vielen Jahrtausenden die himmelanstrebenden Bauten den Ruhm der egypttschen Herrscher verkünden, wenn die Ausführung solcher Werke, noch mehr das in Skulpturen und Gemälden verewigte Leben und die wieder beredt gewordene Bildschrift auf den PapyruSrollen der Gräber und Inschriften den hohen Grad der Kenntniß und Bildung, der naturbewältigenden Kunst und des naturgenteßenden Lebens der egyptischen Welt dem staunenden Blick des Beschauers und dem bewundernden Gedanken des Forschers vergegenwärtigt, und so mit noch redenden Denkmälern die alte Kunde von der hohen