Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 6 (März 1856)
- Article
- Erster Bericht des Unterstützungscomité's zu Amsterdam über die bis jetzt für die von Hunger bedrängten nothleidenden Glaubensbrüder in Palästina bei demselben eingegeangenen Spenden und deren Verwen
- Date
- 1856-03-01
- Page
- 345 (sequence 5)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang. Aüsgegeben den 15. Februar 1856. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren 'Raum ausgenommen. . Palästina. Frankfurt a. M., 13. Februar. Die uns zugehenden Berichte fahren fort, das wachsende Elend mit düstern Farben zu schildern. Zur Plage des Hungers gesellt sich der Durst. Bei dem ungewöhnlichen Wassermangel wird der Schlauch Wasser mit 1y2 Silbergroschen bezahlt. Die Noth schreit gebieterisch um Hülfe. Möge die Wöhlthätigkeit nicht saumen. Mögen die zusammengetretenen C'vwites ihr menschenfreundliches Werk bald vollenden, damit das nach Kräften Mögliche geschehe. Auch wir sind fernere Gaben entgegenzunehmen gerne bereit. (Die Red.) □ Be rlin, 7. Februar 1856. Wa gen er, der Abgeordnete 'eines . Pommerschen Städtchens (Neu-Stettin), stellte in den letzten Tagen des Januar den Antrag auf Streichung der Worte ״der Genuß der bürgerlichen Mid staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse" aus Artikel 12 der Verfassung und motivirte denselben mit dem in der jungsten Zeit so beliebt gewordenen Prinzip eines christlich germanischen Staates. Nach dem Vorbilde anderer jüdischen Gemeinden des preußischen Vaterlandes und einzelner an Wag euer gerichteten Anfragen, um deren BeaNtwortung auch ״Kladderadatsch" wiederholt bittet, hat sich nun auch der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde entschlossen, eine Petition um Abweisung dieses Antrages an das Haus der Abgeordneten zu richten. Er gibt sich darin der festen Hoffnung hin, daß das Haus aus allgemein anerkannten Gründen diesen gehässigen Antrag des Pommerschen Äbgeordneten ablehnen und nicht die Hand dazu bieten werde, das Rcchtsgefühl der Juden Preußens aufs tiefste und schmerzlichste zu verletzen. Obwohl der Antrag von einer ganzen Anzahl frommer Herren unterstützt ist, so wurde die Petition des hies. Vorstandes dennoch von sämmtlichen Berliner Abgeordneten, mit Ausnahme des Kammergerichts-Raths, in seiner Eigenschaft als Universitärs-Richter wohl bekannten Lehn er t, dem Hause übergeben, und sehen wir der baldigen Entscheidung, welche in diesen Tagen erfolgen muß, entgegen. -Tilsit, 5. Februar. Unter dew zahlreichen Konflikten, welche sei dem Bestehen freier religiöser Gemeinden in Bezug auf Eidesleistung vorkommen, ist ein zur Zeit hier bestehender ganz besonders bemerkeuswerth. Den Spediteur I. von hier, welcher seit Jahren seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde vor Gericht erklärt und sich seitdem der hiesigen