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Jeschurun · 1856-03-01 · Heft 6 (März 1856) · p. 338

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 6 (März 1856)
Article
Jüdische dramatische Dichter in Spanien
Date
1856-03-01
Page
338 (sequence 2)
Language
German
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338 I. Antonio Enriquez Gomez. reichen und — sonderbarer Weise — selbst im Heimathslande jetzt nur noch wenig bekannt sind — es waren ja Juden! Beide fallen in die Blüthezeit der spanischen Dichtung, nachdem der große Lopez für dieselbe neue Bahn gebrochen und Molina, Rojas, Moreto und der unsterbliche Calderon das Drama zu seinem Glanzpunkt forderten. Zeitgenosse dieser genannten Größen waren die jüdischen dramatischen Dichter Antonio Enriquez Gomez und Daniel Levi de Barr los. Antonio Enriquez Gomez oder Enriquez Paz, wie er von den Spaniern genannt wird, wurde zu Segovia im Anfänge des 17. Jahrhunderts geboren und war der Sohn eines portugiesischen Juden, welcher aus Furcht vor der blutgierigen, mehr die Meinungen und Gedanken, als Verbrechen und Schandthaten verfolgenden Inquisition seine väterliche Religion verleugnete und sich dem äußeren Scheine nach zum Chrtstenthmn bekannte. Schon in früher Jugend widmete sich der mit ausgezeichneten Anlagen begabte Enriquez den Humanitäts-Wissenschaften, betrieb eifrig das Studium der Geschichte, so wie der heimathlichcn Dichter und wandte auch der Philosophie und den rabbinischen Schriften einen Theil seiner Zeit zu. Kaum hatte er das 20. Jahr erreicht, so betrat er gleich den edlen ritterlichen Jünglingen Spaniens die militairische Laufbahn, in welchen er sich durch persönliche Tapferkeit bald so sehr auszeichnetc, daß er bis zum Capttän aoancirte und mit dem St. Mignel Orden decorirt wurde. Aber weder dieser, noch seine dem Staate geleisteten Dienste konnten ihn dem stets spähenden, in Jedem einen Ungläubigen witternden Jnquisitionsgerichte entziehen, denn auch Enriquez Gomez gehört zu denjenigen unglücklichen Kindern Israels, welche nur im Geheimen und mit Lebensgefahr zu ihrem Gotte beten und ihn in väterlicher Weise verehren durften. Nicht lange konnte es seinen Feinden und Neidern verschwiegen bleiben, daß er im Herzen seinem alten Gott und seiner angestammten Religion ergeben sei. Bald nach seiner Rückkehr nach Spanten wurde er in einen Prozeß, welcher anderen geheimen Juden gemacht wurde, verwickelt, und nur mit Mühe entzog er sich durch eine schleunige Flucht dem damals stets lodernden Scheiter- Hausen. Er durchreiste, Entbehrungen und Mühseligkeiten aller Art in frommer Ergebung ertragend, viele Länder, bis er endlich

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