Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 215 (sequence 2)
- Language
- German
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Von Dr. M. Lehmann. 215 des im Rufe der Heiligkeit stehende» Abtes Bernhard von Clairvaux vermochte, weiteres Unheil abzuwcnden. Nach ihm sandte der Erzbischof und, wiewohl krank, reiste Bernhard noch im Spätfahre nach Mainz, woselbst er nicht ohne Gefahr den wahnsinnigen Rudolph zwang, in sein Kloster zurückzukehren. Horen wir hierüber einen jübischen Schriftsteller, R. Joseph ben Mein, desien Nachrichten aus dem Berichte einesdreizehnjährigen Knaben genommen sind, welcher jene Greuelsccnen in Angst und Schrecken selbst erlebt und mitangesehen hatte: ״Das Jahr 4906 war für das Haus Jakob eine Zeit der Trübsal und Noth. Wüst und verwüstet wurde es und auögeraubt, es wankten die Knie und Schmerz tobte in den Lenden, die Angst zog Furchen auf aller Antlitz. Denn es kam der Priester Rudolph nach Deutschland, das Land auszuforschen und diejenigen, die sich verbindlich gemacht, nach Jerusalem zn ziehen, mit dem Aufzug und Einschlag (שחי וערב) zu bezeichnen. Dieser sann auf Bosheit wider die Juden und sprach in seinem Herzen: Es ist Zeit zu handeln und zu reden wider das Volk, welches nicht Wittwe ist, es zu verderben, zu erwürgen, zu vertilgen. — Er zog immer umher, schrie im Namen seines Gottes, man solle nach Jerusalem ziehen und überall, wohin er kam, verführte er die Leute, indem er sprach: Rächt unsern Gott an seinen Feinden, welche Hier bet uns sind und dann wollen wir ausziehcn. Als dieses die Juden vernahmen, da ward ihr Herz zaghaft, Zittern ergriff sie und Angst, ihr Muth entfloh vor dem Grimm des Wüthertchs, der da entschlossen war sie zu verderben. Da riefen sie zu Gott: ״O Herr, stehe, noch sind nicht fünfzig Jahre verflossen, seitdem unser Blut vergossen worden wie Wasser zur Heiligung Deines großen, starken und furchtbaren Namens an dem großen Tage des Würgens. Willst denn Du, o Herr, uns ewig verstoßen? Was willst Du thun um Deines großen Namens willen? Soll einmal über das andremal Trübsal sich erheben?" Und der Herr horte ihr Seufzen, gedachte seines Bundes, wandte sich zu ihnen und erinnerte sich ihrer nach seiner großen Barmherzigkeit. Er sandte noch den Abt Bernhard von Clairvaux. Dieser Predigte nach ihrer Weise und sprach: ״Konimt, laßt uns ziehen nach Zion, dem Grabe des Messias, aber hütet euch, daß ihr mit den Juden nicht anders denn freundlich redet. Wer sie antastet,