Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 206 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932826-2939344--01198-2939402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 Geschichte der Juden von D1\ H. Grätz. Vierter Artikel. Schamaittschen und Hillclischen Schulen. Unter diesen sind ungefähr 90, die rabbinische Präventivbestimmungen snn?.t), 25, die rabbintsche Anordnungen (תקגרת) betreffen, also zusammen ungefähr, 115, deren Gegenstand, als rabbtnischer Natur, selbstredend außer aller genetischeu Beziehung zum schriftlichen Wort und dessen Interpretation steht. Es sind darunter ferner 130, die zwar biblische Gesetzbcstimmungen (דאודיחא) zum Gegenstand haben, die aber gleichwohl in keiner Weise mit einer Ableitung aus der Schrift in Verbindung stehen. Also 245 von 280 Sätzen stehen außer aller Beziehung zur Dentung der Schrift und den darauf bezüglichen Regeln, und nur etwa 35 bis 40, also höchstens etwa yT, sage ein Siebtel, hängen in ihren Ablettungsmotiven mit der Deutung der Schrift und deren Regeln zusammen. Wahrlich, schon ein schlimmes Prognostikon für die Behauptung: das wesentliche Unterscheidungsmerkmal dieser Schule bestünde in der Schriftdeutung nach den hillelschen Ableitungs- Regeln und deren Verwerfung durch die Schule Schamais! Wir geben übrigens die obigen Zahlen nicht als erschöpfend. Bet einer solchen allgemeinen Musterung ist ein Jrrthum möglich. Einer genauen Grupptrung der Sätze steht auch der Umstand entgegen, daß über die Motive einiger der Sätze im Thalmud selbst verschiedene Annahmen herrschen, wodurch der begriffliche Karakter derselben und die Rubrik, unter welche sie gehören, zweifelhaft bleibt. Groß ist aber, dafür verbürgen wir uns, der mögliche Jrrthum schwerlich, und das bezeichnete Zahlenverhältniß für unfern Zweck hinlänglich genau. Sehen wir uns nun die mit der Gesetzableitung und Schriftinterpretativn in Verbindung stehenden Sätze an, so finden wir auch nicht einen einzigen Satz, ja auch nicht ei» einziges Wort, mit welchen die Schule Schamai's auch nur die Giltigkeit einer einzigen der von der Hillel'schcn Schule angewandten Juterprctations- und Ablettungsweisen an sich bestreite. So wenig das Vorkommen eines einzigen solchen Satzes unter einer so großen Zahl, wie zweihundert und einige achtzig bedeuten würde, so dürfen wir doch dreist den Vers, ausforderu, seine,so kühne Behauptung auch nur mit einem einztgen Satze zu belegen Aber noch mehr.