Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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126 per bekomme zwar in Folge dieser Operation Co nvulsio nen, aber es sei kein Schmerz vorhanden." Man nimmt an, daß die späteren Convulsionen des nach jüdischer Weise getödeten Thieres noch von Schmerz begleitet seien. Man nimmt an, daß die späteren Con-- vulsionen des nach christlicher Weise getödeten Thieres nicht von Schmerz begleitet seien. Es ist nichts als Annah'me aus beiden Seiten. Die gelehrten Doktoren wissen nicht aus Erfahrung, welches der wirkliche Stand der Sache sei. Niemand, außer den Geistern der geschlachteten Thiere ist im Stande, zuverlässige Aussage über den Gegenstand zu machen. Ernst gesprochen, kann man unmöglich den Bericht der gestrigen Verhandlungen lesen, ohne zu fühlen, daß eine Geneigtheit vorhanden gewesen die Leiden der nach christlicher Weise geschlachteten Thiere in der Vorstellung zu verringern, diejenigen aber der nach jüdischer Weise geschlachteten zu vergrößern. Bei dieser Sachlage scheint uns die Entscheidung des Sir Peter Laurie verständig und gerecht — daß die von den Juden angewandte Weise des Schlachtens nicht so viel mehr Schmerz dem geschlachteten Thiere zu bringen scheine, als daß man daraus irgend wie ihren religiösen Ueberzeugungen zu nahe treten könne. Und demgemäß bedauern wir die Absicht der Gesellschaft, die Sache noch, wie wir vernehmen, vor ein höheres Tribunal zu bringen. Selbst einmal zugegeben, die Ansicht der Gesellschaft wäre begründet, warum greift sie die Juden zuerst an, die doch durch religiöse Ueberzeugungen gebunden sind, während sie ganz ähnliche Verfahren ungehindert unter den Christen duldet? Die Christen tobten Schaafe und Schweine ganz in derselben Weise, wie Juden Ochsen tödten; hat die Gesellschaft nur für das Rindergeschlecht Sympathien? — Dr. Lloyd gab auch an, ״das jüdische Verfahren lasse die Vertebral-Arterien undurchschnitten und es entstände daher ein Blutandrang nach dem Kopfe." Mit andern Worten, das Thier sterbe am Schlage. Dies ist, wie wir glauben, auch bei Gehängten der Fall. Warum bewahren unsere hurnanen Freunde der Gesellschaft alle ihre Sympathien für das Vieh? Warum dringen, sie nicht darauf, daß das humane Verfahren des Beilschlags und des ״Gehirn-Umwühlens" mit dem Stabe an die Stelle des Hängens .bei Menschen-Hinrichtungen angewandt werde? Alles in Allem, die eingeleitete Verfolgung der jüdischen Schlachter ist von Umständen begleitet, welche den beunruhigenden Verdacht nicht unterdrücken lassen, daß religiöse Vorurtheile dabei zu Grunde liegen mögen. Es hat sehr den Anschein eines Versuches, unsere jüdischen Mitbürger dem Voskshaß aus kleinlichen und durchaus unhaltbaren Gründen auszusehen. In Chancery Tagen wiegelte man die Massen gegen die Juden auf, indem man sie beschuldigte, Kinder zu schlachten. Es bezeugt eine traurige Abnahme erfinderischer Phantasie, daß man gegen sie keine schrecklichere Beschuldigung heraufzubringen wußte, als Grausamkeit gegen Ochsen.