Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- Frankreich : Lyon [Nachricht]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Erstes und Zweites Beiblatt zum Novemberheft. Auögegeben den. 15. November 1855. In dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen. Frankreich. £ $ | \ Lyon, Oktober 1855. Lyon zählt ungefähr 1000 Juden. Die Vorsehung hat sie ans verschiedenen Gegenden Frankreichs und der Fremde zusammengeführt und hat es ihnen vergönnt sich zu einer bedeutenden Höhe der Kraft imb deS Wohlstandes zu erheben. Wohl giebts unter ihnen nicht jene großes Aufsehen erregende Neichthümer, die Neid und Feindschaft, auch wohl Verfolgung erzeugen. Es sind größtentheils achtbare Kaufleute, die durch' ihren Fleiß, ihre Redlichkeit, ihre Gewissen- Hastigkeit in Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten sich die öffentliche Achtung und das Wohlwollen der Ortsbehörden erworben haben. Sie bilden einen der nützlichsten und schätzbarsten Theile der Lyoner Bevölkerung. Man liest ihre Namen in den Listen aller Werke der öffentlichen Wohlthätigkeit und des socialen Fortschrittes. Aber auch für ihre religiösen Institutionen waren sie bereits in anerkennungswerther Weise thätig. Sie haben eine schöne, wenn gleich bis jetzt noch provisorische Synagoge, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, deren Miethe die städtische Kasse jährlich mit 2,325 Frs. bestreitet. Die Gemeinde besitzt eine Eommunal-Elementarschule, welche ungefähr 60 Kinder beiderlei Geschlechts besuchen. Die Stadt giebt das Lokal und ein Salair dem Lehrer. Somit hatte bis jetzt Lyon, wie Paris und viele andere große Städte Frankreichs wohl eine jüdische Schule für die Kinder der Aermern, während ihre reichern — aber unglücklichern — Äugendgenossen die öffentlichen christlichen Anstalten besuchten. Dort schöpften diese freilich nicht .immer geradezu anti-jüdische Lehren (obgleich auch dies nicht selten vorkommt); allein sie wurden doch mehr und mehr unseren religiösen Hebungen und dem jüdisch religiösen Leben entfremdet. Es ist dies eine in unfern glänzendsten Gemeinden zu bedauernde Lücke, die, wenn man sie nicht bald ausfüllt, sich zu einem Abgrund erweitert, der unfern Kultus, die sittliche Existenz unserer Jugend, unsere ganze geistige Zukunft begraben wird. Unsere Glaubensgenossen in Lyon haben diese Lücke gefühlt und haben sich freiwillig zu bedeutenden Opfern vereinigt um zwei Unterrichts- ' anstalten in's Leben zu rufen, wo die Söhne und Töchter der wohlhaben-