Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Thischri
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932823-2939005--00963-2939069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Suckoth. 33 errungen werden sollen? Sind das nicht die Götter, um die man den Altar des Einen Einzigen verläßt, sind das nicht die Ziele, um die man sich die Allweisheit des Himmels und der Erde ersehnt? Ach, der Gang der Sterne wird erlauscht, die Straßen der Meere werden erforscht, die Eingeweide der Erde werden durchwühlt, die Erzeugnisse aller Zonen werden gesammelt, die Kräfte aller Stoffe werden gemischt, alle Kenntnisse, alle Wissenschaften, alle Entdeckungen, alle Erfindungen, alle Künste reichen sich die Hand, — um dem Menschen eine vergnügte Stunde zu machen ans Erden — und wie viel vergnügte Stunden zählt das Geschlecht? Da sitzt das Geschlecht, — auf hohem, hohem Aschenhügel, — im jugendlichen Schmucke der Eleganz des Jahrhunderts sitzt die Zeit, aber ihr Blick ist verkohlt, aber ihre Wangen sind fahl, aber ihre Stirn ist gesunken, aber ihr Scheitel ist kahl und das Antlitz ist alt — alle Blüthen hat sie gebrochen, alle Früchte hat sie genossen, alle Genüsse erprobt, den Becher der Lust hat sie bis ans die Neige geleert, — und hat alles sorgelos, skrupellos genossen, — die Meister der Lupe sind an sie hinangetreten, haben sie durch ihre Gläser schauen lassen und haben gesprochen: seht, überzeugt euch selber, es gibt keinen Gott und keine» Geist, unsere künstlichen Todesengel-Augen zeigen ja weder das Eine noch das Andere! — und die Meister des Tiegels sind an sie hinangeireten, und haben ihnen den Menschen als Brei gewiesen und haben zu ihnen gesprochen, sehet, es giebt keine Freiheit und kein Gewissen, Reiz und Trieb beherrscht Alles, und was man euch Gewissen nannte, ist nichts, als eine — Unverdaultchkeit! — darum genießt, genießet, Genuß ist der Gott des bewußten Weltganzen! Und da haben sie genossen, ohne Skrupel, ohne Unruhe genossen, haben nach Allem gehascht, haben Alles gebrochen, haben Alles gekostet, und nachdem sie Alles erhascht und Alles gekostet, sitzen sie da auf dein Aschenhügel ihrer Lust un? ihrer Freuden, und haben die blasirte Weisheit gefunden, daß die ganze Welt und das Bischen Leben darin gar nicht der Mühe Werth, daß der Genuß keinen Genuß, und die Lust keine Lust, und die Freude keine Freude gewähre, und klagen die Thorheit an, die sie an die Welt und ihre Freuden glauben gelehrt, und sprechen mit bitterer Sterbensironie: ״ .לשחוק אמרתי מהולל ולשטהה מה!1 עושהLächeln ist Thorheit und Freude was schafft sie?" 8