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Jeschurun · 1855-09-01 · Heft 12 (September 1855) · p. Seite 652

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 12 (September 1855)
Article
[Rezension]
Date
1855-09-01
Page
Seite 652 (sequence 2)
Language
German
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652 Zur Büä,erschau. die mit dem Herzblute Israels, beschriebenen Blätter ihrer Geschichte. Aber diese Trauerkunden sind nur die eine Seite dessen, was die Stadt am Zusammenflüsse von Main und Rhein dem Zuden denkwürdig macht. Trotz aller Nothj Bedrückung und Vcrfolgung hat stets das schönste, frischeste Leben und Streben in jüdischer Gemeinde und Wissenschafthier geblüht. Mainz war Jahrhunderte hindurch עיר ואם בישראל und man braucht nur Namen, wie den des ältesten, jüdischen Dichteröl in Deutschland: ר׳ שמעו; הגדול בעל הפייטן den des großen פוסק Rabbi Elieser Bar Nathan, (ראבן Großvater des ראש) des ר׳י הבחור בעל התוספות, eines Mitgliedes jener erhabenen Genossenschaft, auS deren Werken wir noch täglich schöpfen, des weithin berühmten und hochgeachteten מהריל, des großen Kabalisten, Arztes und Talniudisten ר׳ יהודה ליב אגוש', des kraftvollen, heilige» Manneö Rabbi Herz Scheuer, der noch fast in unsere Zeit herüberragt — aus denen so vieler Heroen, die hier gelebt, gelehrt und gewirkt haben, hcrauszugrcifen, um die Achtung zu bezeichnen, die unsere uralte Gemeinde verdient und in der That auch genießt. — Eine Geschichte der Mainzer Juden, trer würde sie nicht mit Jubel begrüßen? Auch wir freuten nnS unendlich mit dem Erscheinen des vorliegenden Werkes, das uns eine, wenn auch nur diplomatische, aber doch Specialgcschichte der Juden zu Mainz verspricht, doch — de mortuis nil nisi bene — der Verfasser, ein 93jähriger Greis, ist unterdeß gestorben, und auch sein Buch ist in dieser unö vorliegenden Forin ein todtgcborcnes Kind — ein kahles, unerquickliches Bild lOOOjährtger Verfolgung, eines tausendjährigen Ausnahmzustandes. Es ist zwar an eine diplomatische Geschichte der Jude» nicht die Anforderung zu stellen, daß zugleich eine ausführliche Darstellung ihres überaus reichen, eigegthümlichen Lebens, wie sich dasselbe,, in den finsteren Zeiten des Mittelalters von Außen beschränkt, um so mehr nach Innen conccntrirte, gegeben werde. In pragmatischer Beziehung wäre eS jedoch nothwendig gewesen, auch diese Seite der Geschichte mindestens zu würdigen, um aus ihr die wunderbare Erscheinung zu erklären, wie ein seiner Nationalität beraubtes Volk so viele Jahrhunderte des Drucks uud der Verfolgung freudig und gottergeben hat ertragen können. Davon ist jedoch nicht die geringste Spur in dem 480 Octavsetten starke» Buche zu ent-

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