Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 12 (September 1855)
- Article
- Oberst Rawlinson's Bericht über seine neuesten Untersuchungen in Mesopotamien
- Date
- 1855-09-01
- Page
- Seite 650 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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650 Oberst Rawlinso»- Bericht die Raume, wo die Urkunde» lagen, zu entdecken, und, zur Bewunderung der Araber, aus verborgenen Nischen in den Wänden die zwei großen beschriebenen Cylinder hervorznziehcn, welche er der Versammlung vorzeigte, und die noch jetzt so gut erhalten sind, wie sie von Nebukadnezar vor länger als dritthalb tausend Zähren in ihren Versteck niedcrgelegt worden. AnS den Inschriften dieser Cylinder erhellt, daß der Tempel ursprünglich vom König Mervdach-adan-akhi am Schluß des zwölfte» Jahrhunderts wahrscheinlich zur Feier seines Sieges über Tiglat'Pilesar I., erbaut worden; daß er nachher zerfallen, und dcßhalb von Nebukadnezar um 580 fast ganz neu wieder aufgcbaut worden. Ferner ist ermittelt, daß dieser Bau der „Tcuipel der sieben Sphären" hieß, und dem chaldäischen Planetensystem gemäß angelegt war; zu dem Ende standen sieben Stockwerke über einander, und jedes trug die dem besonderen Planeten, welchem es gewidmet war, zukommcnde Farbe. Das unterste Stockwerk, Saturnö war schwarz, das zweite dem Jupiter heilige orangegelb, das dritte des MarS roth, das vierte der Sonne goldfarben, das fünfte der Venus weiß, das sechste Merkurs blau, das siebente des Mondes grün mit Silbcrschein. Die bezügliche Farbe war den Ziegeln eingebrannt, und so hat man sich überzeugt, das die verglasten Ziegel, die über den Hügel zerstreut liegen, absichtlich so gemacht, nicht zufällig so geworden sind. DaS sechste dem Merkur geweihte Stockwerk war einem starken und langen Feuer ausgesetzt worden, um das für diesen Planeten rmblcmaiische Schlackenblau hervorzubringen. Diesem Schlackenaufsatze verdankt man auch die vergleichsweise Erhaltung des Gebäudes, dessen untere Stockwerke dadurch vor de» Einflüssen der Witterung geschützt wurden, während er zugleich ein festes Fußgcstell für das oberste Stockwerk darbot, und für den Altar, welcher wahrscheinlich die Spitze krönte. Uebrigens gehörte dieser Tempel nicht zu Vabylo», sondern zu der nachbarlichen Stadt Borsippa, und der Name Birs, unter welchem jetzt die Ruine bekannt, ist eine bloße Abkürzung deö alten Namens dieser Stadt. Die berühmte, im Jndiahauö in London aufbewahrte Tafel Nebukadnezars enthält, wie Rawlinson weiter bemerkte, eine Beschreibung der verschiedenen von diesem König in Babylon und Borsippa auSgeführten Werke, und dieselbe stimmt so genau mit der von