Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 12 (September 1855)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1855-09-01
- Page
- Seite 638 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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638 Fkdcrzeichm-Njze». Ratten, ihm wölbt sich der Himmel i» dunklerem Bla,., ihm singe» die Vögel in süßere» Töne», ihm scheint die Sonne in güldnerem Strahl. Mit gierigen Zügen trinkt er aus dem Berne der Wissenschaft. RomS Helden, Griechenlands Dichter und Denker entflammen sein leicht zündbares Gemüth. Horaz Oden, Anakreons Lieder sind seine tägliche Kost, Heiners ewig jugendliche Gestalten, EuripideS und Aeschvlus Helden, Brutus und Sokrates, Alerander und Hannibal, Cato und Cäsar seine Freunde, seine Vorbilder, er wandelt mit ihnen in Roms und Athens Gassen, ist mit ihnen in blutige» Schlachten und Volksversammlungen, in Theatern und Tempeln, lauscht ihren Worten, bewundert ibre Tbaten, — möcbk' auch ein Ovid oder Pindar, Solon oder Hannibal sein — — schöne, selige Träume der Jugend! — scbön! wen» auch nur Träume. — Versetzen mich alten Mann eure jugendlichen, feurige» Gesichter, euer flammendes Auge, eure lebhaften, beredte» Geberden ja selbst wieder in jene frohe heitere Zeit, wo ich da stand, wo ihr jetzt steht, mit demselben leichten Sinn, mit demselben enthusiastischen Muthe. — Mein Feuer ist längst erloschen) mein Enthusiasmus längst dahin; die süßen Träume, die mich wie euch nmgaukeltcn, haben nüchterner Erfahrung Platz gemacht; ruhig wallt das Blut, langsam hebt sich der Fuß und nur Wirklichkeit schaut das Auge. „Herrlich!" „Großartig"! „Elassisch!" „Absolute Identität zwischen Subjekt und Objekt" — „Quelle des Begriffs, Sensation und Restektion" — „Dualismus von Geist und Materie". „Wie klar!" — „Wie groß!" — — Ich hatte mich in Gedanken versunken einer Gruppe jüdischer Studenten genähert, welche einen besonders lebhaften Disciws führten auS welchem diese abgerissenen Sätze zu meinem Ohr gelangten und mich auö meinen Träumereien weckten. Ich blieb stehen und sah sie gedankenvoll an. — Seid hier her gekommen, euch zu jüdischen Lehrern und Rabbinen auszubilden; bewundert die Geistesschärfe nichtjüdischee Geister in der Erfassung der höchsten, heiligsten Wahrheiten, — lernt von Baeo und Hegel, Locke und Spinoza Nachdenken über Gott und Welt — lernt danach messen und wägen den ewigen, großen jüdischen Schatz deS heiligen Gotteöwortes und wollt dann einst als Lehrer eures Volkes, ihn, den Volkeöschatz, so dem Volke bringen.-Beklagenöwerthe Jünglinge! Beklagenöwertheö