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Jeschurun · 1855-09-01 · Heft 12 (September 1855) · p. Seite 623

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 12 (September 1855)
Article
Elul
Date
1855-09-01
Page
Seite 623 (sequence 7)
Language
German
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Trcnstc, wie weit ab von der Geradheit, der nimmer ablenkendc» Geradheit, von dem Gehorsam, dem nimm er wankenden Gehörsam, von dem Gen st, dem nimmer weichenden Ernst, den jeder — Wurm tu seinem Lebenslang bewährt! Der Reinste, Beste, Trcnstc, wie weit ab vom Ziele, wir schwankend in der Treue, wie schwach in seinem Ernst! Und wenn er sich nun ermannte und cinlcnktc in die gerade Bahn und mit ernstem, festem Entschluss fortan sich treu bewährte — wer hübe die schon gestreuten UnbrilSsaatc» auS seiner Zukunft Acker, wer tilgte den Keim deS Fluchs, den schon die Bcrgangenheit in ihrem Setze oßc trägt, wer rettete ihn vor den Folge» der eigenen Thatcn, wer entzöge ihn dem Grabe, daS er sich selbst bereits mit jeder Krümme, mit jeder Untreue, jeder Leichtfertigkeit gegraben? Siche, da gesellt sicl׳ die Blüthc der jüdischen GottcSlehre zum ernsten Schofarrnf und spricht: Derselbe Gott, der daS ernste Gesetz von Grund und Folge, von Ursache und Wirkung schuf, und in die Klammern dieses Gesetzes jedes andere Dasein vom Wurm zum Aar, vom StanbcSkorn zum Sonncnball fügte, mit seiner Allmacht jedes andere Dasein in den Bahnen dieses Gesetzes trägt, und in den Gängen dieses Gesetzes ohne Zrrnng hält, — derselbe Gott hat dich zum freien Diener seines Willens geschaffen, und indem er frei dich machte, und mit dieser Freiheit dir und dir allein die Möglichkcit der Krümme, die Möglichkeit deS Ungehorsams, die Möglichkeit deS Leichtsinns gab, fügte Er, als Er dich schuf, z» seinem Recht die Liebe, zu seiner Macht die Gnade, und stattete den freien Funke», mit dem er dich beseelte, mit einem Hauche Seiner Allmacht anS und verhieß ihm de» ewig neu zu erringenden Sieg über jede Gewalt der überall sonst bewußtlos waltenden Nothwcndigkcit. Nur die Krümme, der Ungehorsam, der Leichtsinn, der seiner Freiheit sich entschlagrnde Mensch erliegt dem zwingenden Zuge jenes kettende» Gesetzes. Aber die Reucthränc im Auge deS wieder zur Freiheit erstehenden Menschen, den ernsten Willen der wiederum treu gcwordenen ManneSbrust läßt Gott nicht nur die böse Saat deS Herzens überwältigen, für sie erstirbt der Keim deö Fluchs, den schon die Vergangenheit empfangen — die reine Thräne ist stärker, der reine Wille besiegt daö Gesetz, daS Himmel und Erde bannet — die Gnade GotteS macht den Freien frei.

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