Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 11 (August 1855)
- Article
- Aw
- Date
- 1855-08-01
- Page
- Seite 566 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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566 A w. spccifisch verschiedenen Wesens des jüdischen Staats untergegangen, die auch in ihm nur eine Veranstaltung erdlickt, in welcher die Entfaltung der ebengenannten politischen Momente als Zweck, alles Andere, Tempel und Thora mit inbegriffen, aber nur als untergeordnete Mittel und Hebel erscheint, diese Anschauung freilich muß es als Thorheu, als Wahnsinn, wenn sie will, als Verbrechen verurteilen, im räumlich und zeitlich fernen Palästina zu suchen, was auf viel kürzerm Wege und, wie wir uns schmeicheln, in viel kürzerer Frist in Europa zu finden wäre; idr muß es unbegreiflich erscheinen, sich nach dem eis- und transjordanischem Gestade zu sehnen, wo an den Ufern der Isar und des Lew, der Werra und der Fulda, der Havel und der Unstrut, der Sieg und der Nubr, die — Hoffnungs-Saaten der jüdischen Emancipation so üppig sprießen. Don seinem Standpunkte hatte jener israelitische Geistliche ganz Recht. Aber diese moderne Anschauung ist — modern, ist nicht die alte, jüdische, ist. überhaupt unjüdisch, unwahr. Gegen sie warnt schon daS alte Prophctenwort: Den König in seiner Schöne sucht dein Auge Wenn cö sehnsüchtig nach dem fernen Lande blickt? Traurig sinnt dein Herz: wo ist der Kanzler, Wo der Scckler, wo der Pfleger unserer Burgen —? O, nicht den machtstolzen Staat ersehne dir, Nicht den Staat diplomatisch tiefer Rede, Absichtlich stammelnder, Unverständlichkeit erstrebender Zunge, Auf Zion schau, unserer Zukunft Burg, Jerusalem sehe dein Auge, als Friedensstätte, Als ein Zelt das nicht immer wieder auf's neu gespreitet, Das seine Pflöcke nicht immer wieder lockert Und von dessen Halter keiner reißt! Denn wenn dort rmichtherrlich Gott uns wird. Dort, in dem flußreichen Land, mit den weitgeuferten Strömen — Wird doch kein Krieges schiff dort kreuzen Kein mächtig Fahrzeug schiffen; Sondern Gott, unser Richter, Gott, unser Gesetzgeber, Gott, unser König, Er ist's, der dann uns hilft — — —