Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 11 (August 1855)
- Article
- Aw
- Date
- 1855-08-01
- Page
- Seite 565 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Trauer des v. klw. bös gottgetragenen Familienlebens geborgen, ßkur schwer, nur von der äußersten Notb getrieben, entschlossen sie sich, den wandernden Fuß in die Fremde zn scheu, mit inniger, aufrichtiger Liebe hingen sie an dem Lande ihrer Geburt Und der Gräber ihrer Eltern — und schauten doch mit gleich aufrichtig inniger Sehnsucht nack Palästina hi», in allen ihren Gebeten vor Gott glänzt jene Znkunfthcffnnng ZionS, die aufrichtigsten Thräncn entlocken ihnen die Trancrklänge vom ZionSfall und nicht alljährlich nur der 9. Aw, jede Mittcrnachistnndc fand die Geist- und Gcmüthvollstcn unter ihnen am Boden trauernd um ZionS Fall. Freilich, wenn der modernen Anschauung eines israelitischen Geistlichen daö alte Palästina nichts anders gewesen, als die übrigen orientalischen Staaten, unter Jerusalems Ruinen keine andere Große begraben liegt, als die auch Ninivch'S und Babylon'S und Karthago'S Trümmer decken, hier wie dort nur eine politische Größe geblüht und nur eine politische Große gefallen, dann freilich hätten die Trauer um Jerusalems Fall und die Sebusuebt nach Jerusalems Anfcrstchungömorgcn nur politische Ziele zum Inhalt, cS wäre die Trauer um den Verlust der eigenen politische» Selbstständigkeit, cö wäre die Sehnsucht nach dem DavidSsccptcr und dem Joabschwcrdte und dem Achitofclordcn, nach AdoramS Kataster und Josafatö Archiv und EliakimS Kammcrhcrrnschlüsscl, cs wäre die Sehnsucht nach dem eigenen Acker und der eigenen Siebe! und nach dem Druck- und Hohnentlasteten eigenem Heerde. Dann freilich hätte eine solche Trauer und eine solche Sehnsucht nur Sinn und Berechtigung während der Nachtjahrhundertc dcS Mittelalters gehabt, und die modern israelitische Anschauung hätte vollkommen Recht, daß in dem Jahrhundert der EmancipationShoffnungcn diese alte Trauer und die alte Sehnsucht immer blässer werden und endlich ganz schwinden müßten, wenn diese Hoffnungen verwirklicht und nun auf europäischem Bode» die Söhne Israels ibre politische Gleichberechtigung und eine Hcimath gefunden haben würden, die ihnen gleich den übrige» Erdcnsohnen Grund und Boden und die glcichgccbncten Wege zur Nahrung, zu Acmtern und Würden gewährte. Die moderne Anschauung, die den gewesenen und verheißenen jüdischen Staat nur in daö Schema aller übrigen staatlichen Erscheinungen einzutragen weiß, welcher das Bewußtsein dcS ganz cigenthümlichcüj von allem Andern