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Jeschurun · 1855-08-01 · Heft 11 (August 1855) · p. Seite 562

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 11 (August 1855)
Article
Aw
Date
1855-08-01
Page
Seite 562 (sequence 5)
Language
German
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562 A w. strebten, und von welchem sie die vollständige bürgerliche Freiheit und Gleichstellung — erhofften. Jerusalem sei hier. Palästina läge jetzt auf deutschem Boden — — — Es ist und noch ganz die Entrüstung gegenwärtig, die unö Alle erfüllte, als die süddeutschen Zcitungöblätter diese Tagcsneuigkcit überall hin verbreiteten und diesem „Erwachen eines bessern jüdischen Bewußtseins" mit gebührendem Vcifalle Aufmunterung spendeten. Es war dies damals der Anfang der jüdischen Drang- und Sturmperiodc, in welcher junge „israelitische Geistliche" sich zu Bannerträgern deS UebergaugS ans hem Lager des, wie mau cS nannte, mittelalterliche» Galuthjudcnthumö in das gelobte Land des für die Emancipation accomodirtcn Jsraclitcnthumö begeisterten. Nirgends war dieser Drang stürmischer, dieser Sturm dringender, als eben in dem Staate, der jenes Städtchen und jenen israelitischen Geistlichen die Scinigcn zu nennen so glücklich war. Ja, in jenem Staate war man allen Andern voraugcgangcn, hatte Rabbiner und Lehrer versammelt, um in feierlichem Concil zu erwägen und zu beschließen, wie viel man etwa von der Sabbathfcicr und dem übrigen „lästigen" Judcntbum als Conccssion der zu erwartenden Neuzeit im Vorhinein zum Opfer zu bringen sich entschließen dürfte. ES ist seitdem manches Jahr hingcschwundcn. Zeiten bedeutungsschwere» Inhalts sind gekommen, sind gegangen. Deutschland ist noch nicht zum politischen Palästina für Inden geworden. Auch ihr politisches Jerusalem hätten die Juden noch immer an den Ufern des Jordans zu suchen. Aber am stiefmütterlichsten steht seinen jüdischen Sohne» noch immer gerade jcucö Land gegenüber, in welchem jene Vorfeier der erhofften staatsbürgerlichen Entkncchtung am gedankenlosesten berauschte und die Führer dcö jüdischen Volkes sich am ehesten bereit zeigten, für ein kleines Stückchen Freiheit einen großen Theil dcö alten hehren HciligthumS prciözngcbcn. Fast überall in Deutschland sind doch wenigstens die drückendsten, hcmmendstcn Schranken für die Juden gefallen, die Wege der Nahrung und der Familicngründung sind ihnen fast gleich den übrigen StaatSgcnosscn eröffnet und der Staat bekundet cS wenigstens nicht durch seine Gesetzgebung, daß ihm der Friede und daS Glück, die Rechtlichkeit und daS Gedeihen seiner jüdischen Angehörigen mißliebig und hingegen die Verkümmerung der jüdische» Häuser und Familien sein Ziel. Nur in jenem Staate,

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