Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-07-01
- Page
- 555 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932818-2938767--00768-2938816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Au- Hamburg. 555 könne«; dazu kommt noch bei jüdischen Schulen, daß außer dem Vertrauen zu der Fähigkeit des Unternehmers auch daS z» seinen religiösen Grundsätzen kommen muß, um die Eltern zu veranlassen, einen Unterricht für ihre Kinder zu wähle», der in wissenschaftlicher wie in religiöser Beziehung jeder Controlle entzogen ist. Daher geben die meisten Ellern ihre Kinder in christliche Schulen und finden ihr Gewissen hinsichtlich des jüdischen Unterrichts mit einige» dürftigen Prtvatstnndeu ab. Es bedarf kaum der Auseinandersetzung, wie unzureichend diese Aushilfe ist. Um mit der Schule nicht in Collisivn zu gcrathen, muß die Zeit dazu gewählt werden, die jene dazu übrig läßt, die eiligen Mittags- oder die müden Abendstunden. Dem mit Schularbeiten überhäuften Knaben sind diese Stunden um so mehr zur Last, als sie ihm als Beeinträchtigung seiner Erholnngszcit erscheinen. Dabei fehlt der in der Schiele durch seine Mitschüler angeregte Ehrgeiz, ein so mächtiger Hebel für den Fleiß des Lernenden. Zn einsamer Stube allein mit dem Lehrer oder gar in Mitten eines lauten Familienkreises, wird dic^Äufmcrksamkeit des Knabe» entweder abgespannt oder von allen ScitW abgezogen. Wenn unter solchen Umständen der Lehrer nicht ga»K besondere Gabe» besitzt, den Unterricht faßlich und fesselnd zu machen, wenn der Knabe nicht mit nngewöhnlicher Lernbcgierde, mit seltener Empfänglichkeit cntgegcnkommt, f so ist die Unlust beim jüdischen Unterricht, worüber nur zn häufig geklagt wird, wahrlich keine schwer zu begreifende Erscheinung, und i wie soll das was mit Unlust gelernt worden, später, wenn das! Lcben mit seinen Forderungen, die Welt mit ihren Verlockungen, die Leidenschaft mit ihren Kämpfen an den Menschen tritt, mit Lust - geübt werden? Noch schlimmer sieht es mit dem jüdischen Unterricht der Mädchen aus. Für die Töchter der Armen wird in dieser Bezie-! liiing von der Gemeinde nur sehr unzureichend gesorgt. Für die der mittleren und wohlhabenden Klasse geschieht weder etwas durch die Gemeinde noch aus Privatwegen. Wie gefährlich in häufigen Fällen die daraus entspringende Unwissenheit unserer Mädchen und Frauen in religiöser Beziehung auf Haus und Familien lvirkt, können Sie leicht ermessen. Schützte nnd stärkte nicht daS natürliche religiöse Gefühl die zarten Gemüther der Frauen, so würde es mit der Er-