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Jeschurun · 1855-07-01 · Heft 10 (Juli 1855) · p. 537

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 10 (Juli 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-07-01
Page
537 (sequence 1)
Language
German
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Aus der Mappe eines wandernden Juden. 5. Wir fuhren thalwärts. Die Sonne war unter. Auf den Kuppen der Berge und Hügel, an denen wir vorübcrflogen, glühte noch der Abglanz des Tages, wahrend die Abhänge und Ähälcr sich schon in den Mantel der kommenden Nacht hüllten. Die vorüberstreifenden Lüfte fächelten den von der Gluth eineheißen Tages ermatteten Kräften Kühlung und Frische zu; ich aber war, über den Schiffsrand gebogen, in den Anblick des immer kleiner werdenden Lichtes versunken, in den Anblick der immer mehr auch von den Höhen schwindende» Helle, der immer mehr aus der Tiefe aufwachsenden Schatten, der immer mehr eindringenden Nacht, die immer mehr und mehr alle unterscheidende Erkcnntniß verscheuchte und im Begriffe war, auf Höhen und Tiefen das gleiche Dnnkcl der Oede zu verbreite». Zch hatte den Nachmittag über mit einem der wenigen Männer geplaudert, die mit Hellem Auge und mit warmem Herzen uttb mit in Erfahrung gereiftem Blicke die Verhältnisse anschauen, die wie ihren Lcbensschatz ein Ideal in der Brust trage», und es sich nicht rauben lassen von der Blasirthcit und Abspannung einer vcrzweifelnden Zeit, die sich den Glaube» an die Gegenwart, an die Möglichkeit einer schöner» Gegenwart nicht rauben lassen, aber eben darum einen unendlichen Schmerz im Busen tragen, weil ihnen in jedem Verhältnisi klar ist, was es sein könnte, was eS sei» sollte, und welch' einen tief betrübenden Kontrast damit das bilde, was es ist. Unverstanden und unbeachtet und einsam wandeln sie aus Erden. Keiner ahnet den Schmerz und Keiner ahnet die Seligkeit, die ihr warm schlagendes Herz umfängt. Die Beschränktheit zuckt

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