Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1855)
- Article
- Siwan
- Date
- 1855-06-01
- Page
- 484 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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484 SIwan. Je mehr aber daö Wesen der Thora sich jedem Vergleich, j sich jeder eingränzendcn Bezeichnung in Wort, wie jedem Ausdruck i durch Zeichen und Symbol, wegen ihrer doppelten.Einzigkeit entziehet, :1 weil sie, wie wir gesehen, einzig ist nach außen, und im ganzen l:i Gedankenkreise der Menschheit sich keine Gestaltung findet, deren Art |j sie wäre und mit welcher sie einem gemeinsamen Gattungsbegriffe! untergeordnet werden könne, und ebenso einzig ist nack innen, Israels I einzige, sein Wesen durch und durch erfüllende und ausfüllende Lebensseele ist, und Israel nicht die Thora und noch Anderes hat, daß I man sagen könne: hier ist Krciö und Bereich der Thora, in dem Andern haben andere Prinzipien maßgebend zu walten — um so unerschöpflicher ist aber eben dieses Israel im Symbolauödruck der Heilcömacht und Segensfülle', in Lob und Preis der Wirkungen seiner Thora. Sie ist ihm das erquickende Wasser und das läuternde Feuer, sie ist ihm die nährende Milch und der erfreuende Wein, sie ist ihm der Felsen sprengende Hammer, daö Welten erobernde Schwer dt und daö Haupt krönende Diadem und das Hals zierende Geschmeide. Sie ist ihm der Fuß stützende Stab und die Weg weisende Leuchte, sie ist ihm der Genosse im Glücke und der Nathgeber in Nöthen, sie ist ihm der Gesang in der Nacht, das Wanderlied auf der j Neise, das Licht am Scheidewege, der Wächter im Schlafe, der ersteGruß am jenseitigen Morgen. Sie ist ihm die unschätzbare! Perle, der unaufwiegbare Ncichthum, der unergründliche Schatz, daö nicht zu durchwandernde Feld, daö aus Schachtcntiefe zu hebende Gold. Sie ist ihm die Quelle der Einsicht und des Verstandes, die Quelle deö Lebens und dcö Friedens, die Quelle der Heilung und der Kraft, sie ist ihm daö an sich Gute und der Baum deö Lebens, der, wo er mit Ernst gepflanzt wird und gepflegt, daö Paradies wicderbringt auf Erden — — — 7. | Und nun siche! die Gedächtntßfeier dieser Thora, dieser! Seele unserer Seele, dieses Lcbcnö unseres Lebens, dieses Guts I unserer Güter, dieses Grundes und Bodcnö, dieser einzigen Bedingung unserer ganzen Existenz, ohne welche alle die Güter, denen die! übrigen Feste gl weih et sind: Freiheit und Boden, Erhaltung und! Blüthe, Reinheit und Sühne, Dasein und Bedeutung verlören, ge-