Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1855)
- Article
- Siwan
- Date
- 1855-06-01
- Page
- 477 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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i>, Kult»-. 477 »meer und erfaßte es für uns und gäbe es unS zu ver- ״stehe», daß wir es üblen; vielmehr dir selber unendlich ״nahe ist mein Wort, mit deinem Munde und deinem ״Herzen, es zu erfüllen." — Und also hart's gegolten in Israel, so lange man die Thora nicht — ״Theologie" nannte. Seitdem sie ״Theologie" geworden, haben auch wir Theologen und Laien bekommen, und die Thora, die früher HauSschatz einer jeden Hütte und eines jeden Palastes in Israel gewesen und dadurch die Seele dcS ganzen Volkes war, hat sich aus den Hütten und Häusern und Herzen des Volkes — in die Studirstube und den Talar eines Theologenstandes geflüchtet und hat ihre Bedeutung für'ö Leben verloren. ״Warum lernt dein Kind nicht Chumesch? ״Es soll kein Theologe werden!" Darin liegt der ganze Jammer der Zeit. 5. ״Kultus" nennt man die Institutionen der Thora, ״tsraelitischen Kultus". ״Kultuö" aber bezeichnet überall gewisse Handlungen, wodurch Menschen zu gewissen Zeiten an gewissen Orten der Gottheit ihre Verehrung bezeugen. Und weil nun in diesen anderen Kreisen diese Handlungen, Zeiten und Oertcr fast die einztgen, oder doch die vorzüglichsten, höchsten Momente bilden, durch welche und in welchen die Menschen sich in Beziehung zu ihrer Gott-׳ heit setzen, weil somit diese Handlungen jedenfalls den Gipfel, die Blüthe der Gotteörerehrung bilden, stehen naturgemäß diese Handlungcn als die heiligsten da, und diese Beziehung zur Gottheit prägte den Zeiten und Ocrtern denselben Charakter der Heiligkeit auf. Gotteshäuser und Gottesdienst sind daö Denkmal und der AuSdruü der ״Frömmigkeit", d. i. der gottverehrcndcn Gesinnungen der Menscheu; die Pracht der Gotteshäuser, die Herrlichkeit deö Gottesdienstes werden die Gradmesser dieser Gesinnung, denn sie dokumentiren ja, mit welchen Opfern und mit welcher Hingebung die Menschen der Gottheit ihre Verehrung bezeigen und welchen Werth sie auf diese Brrehrungöbezeugungen legen. Im jüdischen Kreise aber, in dem Kreise, der von den Jnstitutionen der Thora getragen ist, bilden die Gotteshäuser und der