Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1855)
- Article
- Siwan
- Date
- 1855-06-01
- Page
- 475 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Theologie. ־5־47 schließt, und man sodann in gleicher Gedankenlosigkeit für sie aus diesem Namen Conscqucnzen zog, als ob dieser Name in Wirklichkeit ihr Wesen enthielte, ebenso wird sie auch durch andere Dezeichnungen gefährdet, die man aus ganz andern, ihr fremdartigen Gebieten auf sie oder ihre Institutionen überträgt, und ihr damit zugleich eine Charakteristik und Verhältnisse andichtet, die ihr, ihrem ganzen Wesen nach, auf ewig fremd sind. Man nennt die Thora ״Theologie", ״jüdische Theologie", — Theologie bezeichnet aber die Lehre von ״Gott", das System dessen, was die Menschen von Gott wissen. Und weil nun ״Gott" der höchste Begriff ist, git dem'sich der denkende Menschcngcist zu erheben vermag, und weil Das, was die Menschen von den ״göttlicbeu Dingen" wissen, oder zu wissen vermeinen, dem gewöhnlichen Gedankenkreise so fern, dem gewöhnlichen Fassungsvermögen jo hoch erschien, daß ״der gewöhnliche" Mensch diesem Wissen von den göttlichen Dingen, dieser ״Theologie" sich nicht zu nahen — wagte — brauchte — durfte, bildete sich ein eigener Kreis von Trägern dieses Wissens, die in diesem Wissen ihren ״Beruf" ihren ״Stand" und ihren — Nimbus fanden, der sie wie mit elektrischer Wolkenatmosphäre vom Volke schied, das von dem Wissen um die göttlichen Dinge nur die Brosamen aufzulesen hatte, die sie ihm von ihrer Höhe herab zu spenden —- für gut und dienlich und heilsam erachteten. Kurz, die Theologie erzeugte und erzeugt überall Theologen, denen das Volk als Laien, als die Nichtwissenden, als die nicht zum Wissen um die göttlichen Dinge — Berechtigten? — Verpflichteten? — gegenübcrstand — und steht. Nun giebts aber wiederum keine größere Gedankenlosigkcit, als die Thora: ״Theologie," sei es auch ״jüdische Theologie" zu neunen. Theologie enthält die Gedanken des Menschen von Gott und den göttlichen Dingen. Die Thora aber enthält die Gedanken Gottes von den Menschen und den menschlichen Dingen. Von ״Gott und den göttlichen Dingen" enthält die Thora nur wenig, von der Wesenheit Gottes.an sich und von den überirdischen göttlichen Dingen an sich aber gar nichts; nur was Gott UNS sei, waS Er dem Weltall im Ganzen und jedem Wurm und jeder Menschenhütte und jedem Menschengeistund Gemüthe ins-