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Jeschurun · 1855-06-01 · Heft 9 (Juni 1855) · p. 473

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 9 (Juni 1855)
Article
Siwan
Date
1855-06-01
Page
473 (sequence 9)
Language
German
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8. Vlcktgtvn. 473 selbst als Ausdruck eines Gedankens, somit als Symbol, oder, mit der Zeit zu sprechen, als ״Form" ankündigen, wie z. B. Sabbath, Feste, Opfer u. s. w. wie ist gerade ihnen der offenste, klarste Gegensatz zu Allem aufgdrückt, waS der Name Religion bezeichnet, wie steht gerade da die Anwendung dieses NamenS auf die Thora in ihrer vollen Nichtigkeit da? Wie stehet gerade da die ״Form" in ihrer Wesenheit, Ursprünglichkeit, Ewigkeit! Weil ״Religion" der Gedanke dcö Menschen ist, der in symbolischer Handlung seinen Ausdruck findet, darum ist in der ״Religion" dieser Gedanke daö Erste, Ursprüngliche, Wesentlichste und die äußere symbolische Handlung daS Spätere, Erzeugte, Untergeordnete, Glcichgiltige. Weil aber die Thora in diesen Gesetzen der Gedanke Gottes ist, den Gott dem Menschen in der von Ihm angeordnctcn symbolischen Handlung zur innigsten Aneignung darreicht, der also durch die symbolische Handlung in dem Menschen erst erzeugt werden soll, darum ist in der Thora diese symbolische Handlung das Erste, Ursprünglichste, Wichtigste, ist eine Gottcssprache an den Mensche», ist ein Gottcödokument, das mit diplomatischer Genauigkeit und Authenticität zu erhalten und zu vergegenwärtigen ist, damit der Mensch es studiren und daraus die von Gott darin nie- - dergelegten Gedanken schöpfen und sich aneigenen könne. Wer daher z. B. im jüdischen Kreise die Schöpfung der Welt von Gott mit Worten geleugnet, wurde noch nicht von dem Strahle der Strafgcrechtigkeit der Thora getroffen; denn auch wenn er sie mit Worten bekannt, in Predigten verkündet und in lyrischen Gedichten gefeiert, hätte er noch seiner Thorapflicht nicht genügt. Beides erschiene nur eben als ״Religion", als Gedanken und Vorstellung, als ״Glaube" wie die Welt spricht, als momentanes Dafürhalten eines MenschengeistcS. Der Geist des Menschen und sein Dafürhalten aber wechselt und wandelt. Der Gottesleugner von heute kann sich morgen zur Gotteshymne begeistern. Der Hymnendichter von gestern kann heute durch die indeß fortgeschrittene ״Naturkenntniß" zu der ״Ueberzcugung" kommen, seine Hymne von gestern sei kindische Thorheit gewesen. Wer aber den Sabbath in der symbolischen Tottessprache

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