Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1855)
- Article
- Frankreich [Nachricht]
- Date
- 1855-05-01
- Page
- 507 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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507 man die vor 12 oder 15 Jahren laut warnenden Stimmen der Rabbiner überhört, die den Schulen die Vernachlässigung des hebräischen UnterrichtS vorwarfen und auf eine Besserung dieses Verhältnisses drangen. Man ließ sie reden. Jetzt sei eS dahin gekommen, daß, wenn die Schule nur einen guten Unterricht in den sonstigen allgemeinen Kenntnissen leiste, weder Rabbiner noch Jnspectoren sich über den Mangel des Hebräischen beklagen. Nicht aber der gute Wille oder der Pflichteifer der Lehrer sei hier anzuklagen, die Schuld liege ganz allein in der Unkenntniß der Lehrer selbst, an der Mangelhaftigkeit ihrer eigenen Ausbildung im Hebräischen, für welches in ihrem Studiengangc fast gar keine Zeit und Gelegenheit eröffnet ist; sie leisten daher im Hebräischen so wenig, weil sie selbst nur wenig davon verstünden. Und wiederum nicht die Kamilienväter, nicht die Gemeinden und deren Glieder trügen die Schuld dieser strafbaren Vernachlässigung. Habe man ihnen ja alles Recht der Wahl und Ernennung und Ueberwachung ihrer Leb re r genommen! Seien es doch die Eonsistorien allein, denen noch das Recht zustehe, LehramtSeanditaten zu ernennen, unb unglücklicherweise gebe die Kenntniß des Hebräischen und der Religion keinen Ausschlag bei diesen von den Co nsistorien zu vollziehenden Wahlen! Es sei daher nicht immer nur der religiöse JndiffcventiSmuS im Allgemeinen auzuklagen. Die dem Religionswesen Vorgesetzten Autoritäten treffe die schwere Verantwortung, daß sie in ihrem Amte nicht den religiösen Eifer bewähren, der von einem Rabbiner und einem Mitgliede des Eonsistoriums zu erwarten sei. Andrerseits wird im Univ. Isr. auf den verderblichen Einfluß hingewiesen, welchem die jüdische französische Jugend in den Lyceen preisgegeben sei, ohne daß dagegen der etwa von den Rabbinen dort zu ertheilende Religionsunterricht irgend auch nur als Palliativ erscheinen könne. Der Einfluß der nichtjüdischen Geistlichkeit, der diese Anstalten ganz burchdringe, noch mehr das ganze praktische Leben in denselben, welches die jüdische Jugend in unaufhörlichen Widerspruch mit ihrer religiösen Pflicht setze, stünde in zu grellem Gegensatz $u Allem, was der Rabbiner dort als jüdische Gewiffenspflicht zu lehren hätte, als daß nicht vielmehr das Erscheinen des Rabbinen und seine Lehre in einer solchen Anstalt dieser Höhnung des religiösen Gewissens nur noch eine traurige Sanktion bringen würde. Zu helfen sei nur durch eigene jüdische VorbereitungSanstalten, aus welchen sodann die studierende Jugend sofort in die Hörfale der auf liberalen Prinzipien beruhenden Universität übergehen könten, wo sie keinerlei ihre religiösen Gewissen gefährdenden Bestrebungen zu begegnen hätten. . Es ist zuletzt nur Eine Perle, die auch die französischen Juden noch aus dem von den Vätern ererbten jüdischen Schmuck nicht verloren haben, und diese Perle ist das opferfreudige Herz für die Werke der Humanität und Wohlthättgkeit. Die Berichte über die den ärmeren Brüdern wäh-