Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1855)
- Article
- Italien : Mailand [Nachricht]
- Date
- 1855-05-01
- Page
- 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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458 in Dunkel hüllen unb, was Andere mit edlem Stolze bekennen, sich scheuen, ihr religiöses Bekenntntß anzugeben. Vor wenigen Jahren war die Zähl noch bei weitem geringes äls jetzt; diese rasche Vermehrung ist vorzüglich zweien Ursachen zuzuschreiben. Zunächst ist!s die größere Toleranz, die sie hier -im Gegensatz zu andern Staaten der Halbinsel begünstigt, — eine Toleranz, die, während sie in einigen Ländern neuerdings bis zur völligen bürgerlichen und politischen Gleichstellung aller Einwohner ohne Rücksicht auf deren Glaubensbekenntniß gestiegen, gleichwohl in manchen andern bis zu einem solchen Grade geschwunden ist. und schwindet, daß ihnen dadurch der Aufenthalt schwer und drückend wird» Ein anderer Grund scheint uns in der Anziehungskraft ju liegen, welche heutigen Tages große Centralpunkte auf die individuelle Thätigkeit zum Nachtheil der kleinen, insbesondere in Beziehung auf Industrie und Handel üben, eine Anziehungskraft, die viel rascher und unmittelbarer von den Juden gefühlt wird, deren commerciclle Neigung und Thätigkeit ein Erbtheil langjähriger Nothwendigkeit ist. Aus diesen Gründen sahen wir zuerst piemontesische Juden (1820—1840), sodann aus dem Kirchenstaat und Mantua (1842), zu allen Zeiten aber deutsche ihr Domicil nach Mailand verlegen. Mailand zählt aber auch -bereits Männer, die durch den Glanz ihres Genies nicht nur ihrer Vaterstadt, sondern den Zuden überhaupt und ganz Italien Ehre machen. So vor Allem Joachim Basevi, einer der ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten des Lombardisch-Venetianischen Reichs, der schon als Jüngling seiner seltenen Tüchtigkeit willen zum Verteidiger des unglücklichen Andreas Hofer, jenes Helden der Tyroler Unabhängigkeit gegen die französischen. Waffen, gewählt worden war. Unter seinen in späteren Jahren erschienenen juristischen Werken hat ihm sein Commentar zum österreichischen Civilcoder ganz besondern Ruhm erworben. In wenigen Jahren, d. i. seit 1845, sind davon in 5 Auflagen mehr als 7000 Exemplare vergriffen worden, ein seltener, in Italien fast unerhörter Erfolg. Dabei hat dieser treffliche Rechts^ gelehrte zugleich die vaterländischen sowie die vorzüglichen alten und modernen Sprachen und Literaturen mit seltenem Glück gepfleget, ist auch im Hebräischen, Chaldäischen und Arabischen sehr bewandert und hat noch neuerdings über die Entdeckungen zu Ninive und Korsabad bemerkeNswerthe Arbeiten geliefert. Ihm zur Seite glänzen in den Wissenschaften Moses und Guido Susan, Wilhelm Treves, Jacob und Tulius Massarani, Achilles Namias und viele Andere, sowie in den schönen Künsten Al ex ander Finzi, und insbesondere der ausgezeichnete Maler Rafael Milla, der zu wiederholten Malen den ersten Preis in der historischen Malerei und in anderen Zweigen der Kunst davon getragen. Graf Ambrogio Näva, Präsident der Akademie, hat ihm daher die Ausführung der Apotheose des h. Karolus in einem großen Gemälde aufgetragen, welches von ihm zum Geschenk für das Kapital der erzbischöflichen Kirche bestimmt