Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1855)
- Article
- Jüdische Gemeindezustände in Kurhessen
- Date
- 1855-05-01
- Page
- 448 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Jüdische Gemeindczuständc in Kurhesicn. jedem seiner Worte und Handlungen doch Gott und seiner Gemeinde verantwortlich geglaubt, und das Vertrauen der Gemeinde, das seiner Bestellung batte vorangeben sollen, durch treue, gewissenhafte jüdische Pflichterfüllung sich nachträglich erworben, und von der Liebe und Anhänglichkeit der Gemeinde getragen, nun doch als ibr Freund und Leiter, als ihr Baker und Lehrer segensreich wirkt, — und doppclt schöner Ehrcnkranz ihnen, wenn cs ihnen gelungen, durch persönliche Biederkeit und Tüchtigkeit das Verkehrte ihrer ursprünglielw» Stellung zu verwischen — cs mag deren vielleicht viele gegeben habe» und geben, es mag ein guter Genius die Gefahr bis jetzt ganz paralpsirt haben — daS Gefährliche einer solchen Verfassung jüdischer ReligionSgcmcindcn bleibt darum nicht minder groß, ניסא ״ ׳לאו בכל יומא מהרחשübt alle Tage geschehen Wunder, nicht dem an Wunder grunzenden Ungefähr diufen wir unsere heilizsten Angelegenheiten überlassen, ein jüdischer Kreis aber, dem die autonome Selbstbestimmung und Selbstverwaltui g in seinen eigensten, heiligsten Religions-Angelegenheiten so bis auf die letzte Faser, wie in der unfern gegenwärtigen Betrachtungen vorliegenden, genommen, der nicht einmal seine Vorsteher und Rabbinen selbst wählen darf, der nicht einmal darum gefragt wird, Wen er des Vertrauens zur Lehre und Verwaltung seiner religiösen Institutionen würdig hält, der vielmehr mit diesen Angelegenbeiten gänzlich der Negierung und den von ihr zu wählenden Organen sich überantwortet sieht, der ist -- und wäre die Regierung die wohlmeinendste von der Welt - mit seinen wichtigsten, theuersten, heiligsten und unveräußerlichsten Gütern und Angelegenheiten recht- und haltlos dem Spiele des Zufalls und dem Wechsel des Ungefährs verfallen.