Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 392 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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392 Gemeindewesen. daß er durch die Liebenswürdigkeit seiner Person im Laufe der Zeit manchen Gegner versöhnte. Aber die größte Anerkennung seines Geistes, die höchste Achtung vor seinem sittlich reinen, humanen Charakter, kann die Frage in unS nicht zurückhalten, wcßhalb mit diesen Geistes- ' gaben, mit diesen Vorzügen des Charakters, in der Mitte so vieler Bewunderer und Verehrer, während eines dreißigjährigen Wirkens nicht eine einzige Anstalt ins Leben gerufen worden ist, die dein heutigen Gescblechte eine kräftige Stütze in ihrem .Kampfe sein könnte: weßhalb noch heute in unserer Gemeinde fast dieselben Aufgaben zu erfüllen sind, wie vor 40 Jahren. Wenn auf diese Fragen das Grab uns leider die Antwort schuldig bleibt, so darf man von der andern Seite nicht verkennen, daß eine Persönlichkeit wie die des seel. VcrnayS schon durch ihre Existenz, durch ihr Wort, durch ihr Beispiel segensreich in ihrem Kreise. wirken mußte. Rechnen wir hinzu, daß seine allsabbathlichen Vorträge trotz ihres Mangels an ästhetischer und rhetorischer Form, doch, namentlich in späterer Zeit, als der Redner sich bemühte, dem Verständniß seiner Zu- Hörer entgcgcnznkommen, während sie mit der Zeit seinen Ideen und seiner AuödruckSwcise näher gerückt waren, einen Kreis von Männern die Aufgabe des JudcnthumS zu begreifen lehrte; daß er dann und wann auf kürzere oder längere Zeit auch einen kleineren Cirkel specieller Schnler um sich versammelte, von denen Manche die Lehren wieder vcrbreiteten, die sie von ihm empfangen hatten, so wird man die Behauptung nicht unerklärlich finden, daß die Quelle des jüdischen Sinns, der in unserer Gemeinde mehr als in vielen anderen deutschen Gemeinden, noch in so manchen Kreisen, noch in vielen Gemüthern jüngerer Männer lebendig ist, sich direkt oder indirekt auf die Belehrung zurückführen läßt, die der seel. Bernahs in unserer Mitte verbreitet hatte. Das fühlten in unserer Gemeinde Hunderte, die während der ganzen Wirkungszeit dcö seel. BernsYS, seinen Handlungen wenig Aner. kennung gezollt hatten, ja selbst diejenigen, die ihm in vielen Fällen feindlich entgegcngetreten waren, als vor circa 6 Jahren die Nachricht seines plötzlichen Ablebens bekannt ward. In jeder-anderen Gemeinde wäre eS ganz natürlich gewesen, sofort an eine würdige Besetzung des nun frei gewordenen Lehrstuhls zu denken, bei uns aber gingen Jahre darüber hin, ehe man von den zwin׳ gendsten Umständen sich die Wahl eines neuen Rabbiners abnöthigen ließ. Es vereinigten sich hier aus verschiedenen Gründen, diejenigen,