Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 7 (April 1855)
- Article
- Heinrich Heine [Rezension]
- Date
- 1855-04-01
- Page
- 385 (sequence 9)
- Language
- German
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Von Dr. Stelnheim. 385 ״schnrutzige Atzung; der Abscheu der Juden vor jedem Blutgenuß ״ist ihnen eigenthümlich; er spricht sich aus in den ersten Dogmen ״ihrer Religion, in allen ibren Sanitätsgesetzen und Neinigungs- ״ceremonien, in ihrer Grundanschaunng vonl Oicincn und Unreinen, ״in dieser tiefsinnig kosmogonischen Offenbarung über ״die materielle Reinheit in der Thierwclt, welche gleichsam eine ״physische Ethik bildet und von Paulus, der sie als eine ״Fabel verwarf, keineswegs begriffen worden. — Nein, die Nach- ״kömmlinge Israels 1j, dcS reinen, auserwählten Priestervolkes, sie ״essen kein Schweinefleisch, auch keinen alten Franziskaner; sie trinken ״kein Blut, ebenso wenig wie sie ihren eigenen Urin trinken, gleich ״dsr heiligen Elisabetb, der Urnm!'^ des Grafen Monta- ״lambert." rc. Wir haben unfern deutschen Autor eben so wenig, als den französischen Kritikus, in seiner Rede unterbrechen wollen, und uns nur einige Randglosse!t hie und da beim ersteren erlaubt. Diese haben wir denn auch, daß sie den klaren Redestrom nicht stören oder gar trüben, unter den Tert, gleichsam unter die Bank, geschoben. Was hätten wir auch in einer Zwischenrede Schöneres, Erhabeneres zu sagen vermocht, als unser — Apostat! als der Mann, den man bisher nur als die Spitze aller Religionsspötter, als den Verhöhner alles Heiligen, gekannt hat! Von diesem Allen ist mm in der Eensur des Herrn Klaczko kein sterbendes Wort zu lesen. Woher das? Hat er dem Ernste des alten Spaßvogels mißtraut? Hat er den schadenfrohen Kobold auch noch bis hieher, bis׳ bieher nocb, wo er von seinem Schmerzenlager, seinem Todrenbette zu uns redet, nicht los werden können? Das muß es ja sein; denn eine solche Aposiopese bloß als Redefigur vorauszusetzen; das Jgnoriren aller neuerdings ausgestreuten reichen, glänzenden Geistesschätze, und nur noch des ״schmutzigen Staubes" frühern Ejaculationen zu gedenken, das wollen wir von Niemanden annebmen, der den ernsten, sittlichen Richterstuhl besteigt, und über den moralischen Werth eines bedeutsamen ManneS ein llr:{;eil fällt; diese bloße Vermuthung wäre für den Censor ent- *) Er meint, die orientalischen; denn die aufgeklärten occtdenlalr scheu sind zu klug, als daß sie sich um solche abgeschmackte und veraltete Vorschriften, wie die Speisegesctze, noch im 1V. Jahrhunderte bekümmern sollten! 28