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Jeschurun · 1855-03-01 · Heft 6 (März 1855) · p. 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 6 (März 1855)
Article
Deutschland : Wien [Nachricht]
Date
1855-03-01
Page
346 (sequence 2)
Language
German
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346 Und die Art und Weise der Ausführung dieses Entschlusses charakterisirt sprecht den acht jüdischen Geist Kolli sch's. Nicht durch Aufrufe an Oesterreichs Juden, ohne Beistand irgend eines Andern, war Er es allein, der still, aber entschieden seinen Plan verfolgte. Und nicht nur das Institut hatte er zu schaffen, auch den Lehrer des Instituts. Sein Erstes war, einen jungen begabten Mann, den er zu diesem Zwecke für geeignet hielt, zum Täubstummenlehrer ausbilden zu lassen. Und diese Wahl war eine recht glückliche. Herr Joel Deutsch, jetziger Lehr-Director der Anstalt, eignete stch binnen Kurzem die nöthigen Kenntnisse an und so ward im Jahre 1844 das Institut mit 6 Zöglingen eröffnet. Kotlisch räumte demselben sein Haus ein. Unter dem göttlichen Beistände gedieh die Anstalt und sah die segensreichsten Früchte. Kolli sch's rastlosen Bemühungen gelang es endlich, nach 8 Jahren das Fortbestehen des Instituts zu sichern. Nach mehreren glänzenden Prüfungen, die in Wien und Pesth in Gegenwart höchstgestellter Personen vorgenommen wurden, und worin das israel. das k. k. allgem. Institut übertraf, wurde Kolli sch's Anstalt zum allgemeinen österr. israel. Taubstummen-Institut erhoben und siedelte nach Wien über. Kollisch hat die Freude, in seinem Greisenalter Zeuge der segens-- reichsten Früchte seines beharrlichen Strebens zu sein. Es ist ein rührender Anblick, ihn unter den Taubstummen, welche mit kindlicher Liebe an ihm hängen, zu sehen. Geliebt von seinen ״Kindern," wie er die Zöglinge nennt, verehrt von seinen Mitbürgern, geschätzt von seinem Kaiser, der ihn erst kürzlich mit.dem goldenen Verdienstkreuze belohnte, möge Hirsch K.ollisch noch lange fortfahren zum Wohle der Unglücklichen Leidenden zu wirken und der Welt als Vorbild einer ächten, wackern frommen jüdischen Gesinnung voranzuleuchten. Wir entnehmen dem vorliegenden Berichte d. I. 1853/4 noch folgende interessante Notizen. 'Die Anstalt hat derzeit 35 Zöglinge, 23 Knaben und 12 Mädchen. An 40 taubstumme Kinder, die um Ausnähme sich bewarben, mußten auö Mangel an Raum und Mitteln ab- und zurückgewiesen werden. Seit ihrem Entstehen hat die Anstalt 60 Zöglinge ausgebildet, von denen 11 bei ihrem Austritte den Handwerken zugesührt, die Andern ihren Eltern zur weiteren Verfügung und Ver- Wendung zurückgestellt worden. Ein Zögling wird als Lehrer im Schreib- und Zeichenfache bereits in der Anstalt selbst verwendet, so wie auch eines der Mädchen, das jetzt tu der Lehre ist, dieselbe Bestimmung hat, als Lehrerin in den weiblichen Handarbeiten verwendet $u werden. Unter den Beweisen für den Fortschritt der Zöglinge wird der Umstand besonders hervorgehoben, daß sowohl die Knaben bei der Bar Mizwah öffentlich im Be.thause das Gebet sprachen, als auch die Mädchen zum öffentlichen Glaubensbekenntnisse zugezogen, und aus der Neligionslehre gleich den vollsinnigen Kindern geprüft wurden. Durch das Ergebniß einer im Mai 1853, in Folge einer am letzten Passahtage im Gottesbause ergangenen

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