Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1855-03-01 · Heft 6 (März 1855) · p. 336

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 6 (März 1855)
Article
Jüdisches Gemeindewesen
Date
1855-03-01
Page
336 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932807-2932814-2938448--00497-2938507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Indische« Memel ndewesen. 336 darüber vermögen sich die Gemeinden mel'r Ueberzeugung zu schaffen: ob ibr Rabbiner ein Jude! Denn was beifit das: Jude sein? Die seit mebr als viertbalbtausend Jabren gegebene Antwort dieser Frage aller Fragen bat man geschickt dem Volke, dem man dieThorah entzog, wieder in Frage gestellt, bat sic zu einer offenen Frage gemacht, die Jeder nach eigene», Belieben sich zu beantworten habe, bat de» bedeutungsvolle» Namen: Jude, für dessen Inhalt Jahrtausende zeugen, zu einer leeren, kernlosen Nnfi herabgewürdigt, in die Jeder gerade so viel Stoff hineinlegt, als auch er mit seinem schwächlichen Wesen glaubt darbieten z» können! Und je weniger der Rabbiner sich selbst über diese Grundfrage aller jüdischen Fragen klar ist, je weniger er sic bei Andern zum Bewußtsein bringt, je pastoralklnger er diese Frage umschifft, je mebr er eS versteht, diesen Namen zu einem stofflosen, »nfafibarrn Begriff zu verflüchtigen, dafi sich Keiner daran stofie und Jeder in dem ätberischen Schnlchan Aruch des Rabbincn sich selber mit seinem Schnlchan Aruch wicderfinde, um so mehr ist er der Mann der Zeit, dem Alles recht ist, und der selbst dem schnödesten Verratb am Judentbum noch mit himmelwärts gewandten Angen die segnende Weibe zu crtbeileu versteht. Und die Vorstände? Die Vertreter der jüdischen ReligionSgemeinden, was ist aus ihnen geworden, seitdem die Gemeinden der חלמוד חודה den Rucken gewandt? Der Thorah Unkundige Gemeinden, wählten, oder ließen sich Männer ernennen, deren größtes jüdisches Verdienst meistens darin bestand, dafi sic die Unkundigsten und Unjüdischsten in der Gemeinde waren, dafi sie am wenigsten von der Thora verstanden nnd noch weniger von der Thora bielten, dafi sie also die geringste Kcnntnifi von den Hciligthümern hatten, die ihren Händen anvcrtraut werden sollten, den geringsten Werth auf sie legten, die geringste Achtung vor ihnen hatten und die geringstc Bekümmernis, für deren Erhaltung im Herzen trugen.׳ Kennen wir doch große Gemeinde», in welchen zu Kultusvorstchcrn gewählte Männer sich selbst lachend darüber wunderten, wie man sie zu einem solchen A:nte wähle» könne, da man ja wisse, wie wenig sie sich selbst auS dem Kultus machten und wie lange sic schon selbst über all dergleichen hinüber wären. Die Wähler aber beruhigten sie, darauf komme es nicht an und die Gewählten Katen in's Amt. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.