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Jeschurun · 1855-02-01 · Heft 5 (Februar 1855) · p. 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 5 (Februar 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-02-01
Page
278 (sequence 9)
Language
German
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278 Au« der Mappe eine« wandernden Zuden. Zeit zu Schulden kommen läßt, und schwer lastet die Verantwortung auf uns Allen, auf jeder Gemeinde, jedem Kreis, die durch diese Dernachlässigung die schwachen Söhne unserer Zeit einer zu großen Vcrsuchung ausgesetzt sein lassen. Denn cs gehört schon in der That eine nicht geringe Festigkeit dazu, Wochen״ ja mondenlang entweder mit der precairsten Kost sich zu begnügen oder an einem Tisch zu speisen, wo der Appetit schon vergehet, che die Mahlzeit begonnen. Ich bin überzeugt, fänden die Reisenden in den meisten Städten eine anständige jüdische koschere Table d'Höte, mehr als die Halste von denen, die jetzt die Spcisegesetzr übertreten, würden an diesen koschern Tischen speisen, und dann auch gerne einmal den gehörigen Tisch entbehren, wo sie es ausnahmsweise — wie wir heute — nicht haben können. Mehr als Synagogcnbau und Bethhammidrasch-Stistung ist meines Bedünkens heutigen Tages die Gründung anständiger koscherer Hütcls und Spciscwirthschaften ein religiöses, gottgesälliges Werk — und wo ist die Gemeinde — wo sind die frommen Vereine, die noch daran oder an noch so manches Andere, was ich Ihnen nennen könnte, gedacht! Sollte doch in unserer Zeit — ״— nt!" meine Herren, trat der Conducteur ein, ist Keiner da nach״—m?" — Das ist mir leid, sagte der Jüngere rasch ausstehcnd, da müssen wir fort, wir wollen pr. Eisenbahn nach Hause. Auch mir ist'ö leid, sagte der Aeltere, ich hätte gerne noch mehr von Ihnen gehört und auch noch Manches erwiedcrt. Sic haben in Vielem Recht. Doch sieht das Auge des Fremden Manches jn viel schönerm Lichte, Anderes in viel trüberm, als es in Wirklichkeit ist. Auch ich, fügte der Züngere hinzu, hätte noch manche Bedenken zu äußern, und wohl in noch anderer Hinsicht, als mein Bruder. Doch eS läutet, wir müssen fort — und mit einem herzlichen Händedruck schieden wir von einander. %

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