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Jeschurun · 1855-02-01 · Heft 5 (Februar 1855) · p. 277

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 5 (Februar 1855)
Article
Aus der Mappe eines wandernden Juden
Date
1855-02-01
Page
277 (sequence 8)
Language
German
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277 Aus der Mappe eines wandernden Juden. geschähe was geschehen könnte; denn bet Ihnen, wie in keinem andern Kreise, ist Material und Möglichkeit zu diesem Men vorbanden. Alles dieß aber kann nur angestrcbt werden, wenn die ״alten", biedern, frommen, treuen Männer Ihrer Gemeinde sich zur Höbe der Zeit erhüben, alle kleinlichen Rücksichten fahren liehen und einander die Hand zum offenen, einmüthigen, thätigen Wirken und Sckaffen für die heiligste Sache reichen möchten, der nun einmal nie und nimmer mit Seufzen und Grollen und Grämen — sondern mit der That, lebcnöfrischer, mutbigfrober Tbat gedient werden kann. Wie weit entfernt aber unsere ״alten", biedern, frommen, treuen Männer הנאנקים והנאנחים על שבד בח צירן, wie entfernt sie noch von dem bloßen Gedanken sind, daß überall Etwas geschoben könne, geschehen müsse, daß unsere eigeuthiimlieb gestaltete Zeit auch eigenthümlicher Veranstaltungen zur Heilung und Genesung bedürfe, und wie daber selbst das Einfachste und Nächstliegende nicht geschieht — das ist mir eben in Ihrer großen Gemeinde so recht klar geworden. Ich erlaube nur Almen Eines zu nennen. Es bat Sie, B., sehr geschmerzt, daß von allen Inden, die unsere Reisegesellschaft zählt, wir die Einzigen sind, die auf die Freuden der Tafel hier im Schiffe verzichten. Diese Erfahrung ist Ahnen sicher nicht neu, Sie erfahren wohl täglich zu Ahrem Schmerze, daß V10 der zablreichen fremden Geschäftsfreunde und Handlungsreisenden, die Sie in Ihrem Geschäftsbüreau besuchen — an der Table d'Hote ibres christlichen Hotels speisen. Zürnen Sie mir nun nicht, wenn ich diefett Schmerz noch um ein Beträchtliches durch die Behauptung vermehre — daß Sie selbst mit die Schuld an diesem großen, großen Nebel tragen. Sie seben mich so verwundert an — und doch ist es so. Ich habe mich 6 Wochen in Ihrer Gemeinde aufgehalten — glauben Sie wohl, daß in dieser Ihrer großen Gemeinde, in dieser großen Stadt, deren Welt- Handel Jahr aus, Jahr ein Tausende von Fremden in ihre Mauern sammelt, daß es in dieser Stadt kein einziges erträgliches jüdisches Hotel, kein einziges erträgliches jüdisches Speisehaus giebt, wo der an häuslichen Comfort, an Sauberkeit unb Anstand gewöhnte Fremde sich mit Appetit zu Tische setzen könnte? Daß von unfern ״Frommen" nicht für gute, anständige, jüdische, gewissenhaft koschere Hotels und Speisewirthschaften gesorgt wird, ist in meinen Augen eine der größten Gedankenlosigkeiten und Versündigungen, die sich unsere

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