Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Jüdische Skizzen aus Berlin
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Skizzen au« Berlin. 221 Wort schmiegend, bald wieder leise, leise flehend, klagend, fast weinend — dann plötzlich wildtrotzig und todeskühn — und jäh abbrechend wie überwältigt vorn scharfen Weh. . . . Noch viel mehr aber singen und sagen zwischen den Zeilen die buntschnörkligen Trillerarabcskcn — — eS ist eben eine jüdische Melodie im Munde eines Inden, — der sich so allerlei derrkt und nichts sagt, als waö vorgeschrieben steht, aber singt und innnerfort singt. . . . Dazwischen rasselt draußen der Sturm und peitscht die Schneeflocken durcheinander, der Frost aber malt seltsame Blumen an die Scheiben, exotische Blumen, wie sie in nreerfernen Palrrrenländern wachsen, und die kleinen Chanukahlichter daneben überhauchen sie mit glänzendem Schimmer und knistern traulich drein, wie uralte Bekannte... Die Chanukahlichter! ... Zu denken, daß um dieselbe Stunde auf dem ganzen, großen Erdball in all den Palästen, Häusern und Hütten, die Judas weltversprengte Schaaren dein alten Gott der Väter und sich selber erbaut, diese Signallichter ausflammen, ein heilig Gedächtniß den Vätern, ein heilig Gedächtniß den Kindern, den Brüdern in der ganzen weiten Welt ein stummes leuchtendes Wahrzeichen, daß noch felsenfest der alte Bund, daß leuchtend blüht der alte Glaube und die alte Hoffnung, daß wir gedenken an die Gotteswunder und an'S Blut der Makkabäer'—wahrlich, daö ist ein großer, ein gewaltiger Gedanke. Einst freilich, da wir noch Berge hatten, deü Hermon, den Karmel, den Libanon, da stammten die Feuerzeichen auf den Bergen und die Palmen und die Cedern rauschten dazu — aber wo in aller Welk glimmt noch ein Etnmpfchen für BrntuS den Römer, für Herrmann den Teutonen — und ihre befreiten Nachkoiumen besitzen doch ihre Länder sammt ihren Bergen. . . . Aber Brutus ist tobt und NomS Freiheit ist todt und Nom ist todt und seiner heiligen, unsterblichen Todten gedenkt Niemand als — Israel, daö ewig lebendige ..... Still und stiller wird's draußen — öde und todt wie die Fluren, liegen die Straßen — daö ist der nordische Winter. Funkelnd treten die Sterne heraus, die Liesbedeutsamen Sterne, in denen Abraham glauben gelernt und die die Makkabäer im Banner geführt, und leuchten nieder auf den glitzernden Schnee, der Alles zudeckt — Blüthen und Blumen und Blut und Thranen und Völker — seit Jahrtausenden. — Immer noch hallt das wunderbare Lied durch die ftillbeglänzten Räume — der Vater singt cs, die Knaben stimmen hell darein und daö Kleinste