Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1855)
- Article
- Der jüdische Sabbath
- Date
- 1855-01-01
- Page
- 195 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Sabbath. 195 sprechen, die Pforten des Paradieses sind längst hinter unS zugcschlagen, — von selbst blühet Keinem der Baum dcS Lebens, Dorn und Distel stehen am Wege, im Schweiße des Angesichtes wird Brod gewonnen, und daS gewonnene Brod mit Sorgen und Seufzern genossen — sabbathloS, rnhcloö mühet sich der Mensch — sabbathloS, rnheloS quält ihn die Sorge — und ob tausend Geister Tag für Tag sinnen seine Einsicht zu mehren, und ob tausend Ersindiingen Tag für Tag mehren seine Kraft, nicht reicher, nicht glücklicher macht ihn die Einsicht, nicht freier, nicht müheloser mache ihn die Kraft; ״je mehr Einsicht je mehr Weh'," je mehr Erfindungen je mehr Bedürfnisse, je mehr Kraft je nichr Arbeit. Der Vater hatte mit dem Nachbar zu ringen, auf Wolkcnarmen hat der Sohn mit der ganzen Welt den Wettkampf zu bestehe». Der Vater hatte seinen Weiler zu umschancn, Blitze sendet der Sohn aus, um die Welt zu erspähen. Tausend Güter, tausend Genüsse, die der einfältige Vater nicht kannte, muß der weisere Sohn für sich und die Seinen mit dem Schweiße seines Angesichtes, mit aller Spannkraft seiner Nerven, mit jeder Spanne seiner Zeit und seiner Kraft zu erringen jagen. Er hat so viel für sich, so viel für Weib und Kind zu sorgen, daß ihm die Zeit fehlt an sich, die Zeit an Weib und Kind zu denken — und die Sorge um'ö Haus — entfremdet ihn dem Hause. Daö Wort ״Existenz" ist zu einem so großen Umfang erwachsen, daß daS ganze Dasein darin aufgehct diese Existenz zn erringen, und die Frage nach dem Zwecke, nach dem Ziele, nach Werth und Bedeutung dieses Daseins keine Stätte mehr findet. Daö Wort ״Eristcnz" ist z» einer so riesengroßen Aufgabe geworden, daß die Summe aller MenschcnwciShcit, die Erspähung dcö Himmels und der Erde, der Lander und Meere, daß Tugend und Sittlichkeit, daß selbst fast Barmherzigkeit und Milde sich mit dem Jndustricstcmpcl der Nützlichkeit versehen mnß, um Einlaß und Beachtung im Kreise der brodsuchcnden Menschheit zu finden. Und der Mensch, geschaffen Ebenbild Gottes zu sein, an Weisheit und Güte, an Liebe und Recht, geschaffen, wie Gott ■ sich seiner Werke zu freuen, keucht schweißtriefend, futtersuchend im Zochc der Erde und Hort das ״Wo bist du?" der wandelnden, ihn suchenden Gottcöstimnic nicht mehr. Da tritt der Bote ans Eden, da tritt der GotteSengel,