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Jeschurun · 1854-12-01 · Heft 3 (Dezember 1854) · p. 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 3 (Dezember 1854)
Article
Pariser Zustände
Date
1854-12-01
Page
165 (sequence 7)
Language
German
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Pariser Zustände. 165 Der Gottesdienst. Wir haben schon oft gegen dieses Bastardsystem protestirt, das, nid't als und nicht neu, weder die Autorität und die Verebrung alter uuO von fccu Vätern überlieferter Traditionen, noch die Eleganz und den Reiz neuer Schöpfungen bietet. Es ist aber nun einmal das in unserer Consistorial - Snnagoge adoptirte System und macht dort alle Tage neue Fortschritte. Kein Mensch fühlt sich dadurch befriedigt, nichts Gutes wird dadurch bewirkt — imb doch muß man es aufrechthalten. Sonst gab es eine fromme und anregende Weise zu beten, die Gebete, insbesondere Psalmen und Selichoth, Vers um Vers von Vorsänger und Gemeinde recitiren. Diese Weise besteht noch beute in vielen, und selbst der Reform geneigten Synagogen. In Paris ist die Versammlung der Andächtigen zu einem absoluten Schweigen verurtbeilt; die Gemeinde des Herrn wird durch einige Eboristen repräsentirt, die alleilt das Recht zu sprechen und laut zu .beten baden; wir sagen sprechet! und beten, wir batten lieber sagen sollen, die letzten Worte irgend eines beliebigen Stückes zebnmal und in Sylben gebrochen Wiederbolen. Seit einiger Zeit sind jedoch die Dinge noch ärger geworden. Die Orgel, die am Freitag Abend nur begleiten, nur den betenden Gesang unterstützen und tragen sollte, bat ganz und gar das Beten unterdrückt, und während Vorbeter und Gemeinde genöthigt sind, mit leiser, leiser Stimme — man denke die Ironie! —- '״ לכל נרננה לךKommt laßt uns dem Ewigensingen!" zu flüstern, wird das unjüdische Instrument mit seinen überschreienden Tönen laut — und bindert die Andächtigen an! Beten. Dies erzwungene Schweigen der Gemeinde ist somit aneb zum Gesetz für den Vorsänger und Cbor geworden, die nun auch ihrerseits durch den — musikalischen Blasebalg ersetzt werden. Die!eilige Sprache vom Sinai, die herrlichen Poesien eines Davids, die erhabensten Gebete Israels müssen schweigen — um dem Lärmen der Orgelpfeifen das Feld zu räumen! Unvernünftiges Idol der Reform! Hat einen Mund und spricht nicht, hat Obren und hört nicht, aber schließt den Mund, aber betäubt die Ohren den frommen und andächtigen Kindern, die ein Wort der Liebe und der Anbetung an ihren Vater im Himmel richten wollen! Freilich hat Moses gesagt:

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