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Jeschurun · 1854-12-01 · Heft 3 (Dezember 1854) · p. 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 3 (Dezember 1854)
Article
Jüdische Skizzen aus Berlin
Date
1854-12-01
Page
155 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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155 Jüdische Skizzen aus Berlin. HI. 18 my doxy, hetei'odoxy is anothers doxy und unser Abschiedswort mögen sie im ״Kaufmann von Venedig" Nachlesen!*) .... Weil wir aber noch lange nicht so weit sind, weil das nur sehr Wenige meinen, die blos in den blumigen Gebegen konventioneller Phrasen umherwandeln und morgen uns, wie beute Andern gedankenlos nachsprechen, weil wir eben wissen, daß die neulich Besprockenen im Uebrigen ״alle, alle ehrenwerthe Männer" sind, die bei Fähigkeiten und Willen nur der Führung entbehren, so wollen und wollen wir nicht rasten und nicht ruhen, wollen reden, so lange und so laut wir können, und sollte unsere Stimme, wie sie einsam aus der Wüste herauohallt, "auch einsam darin verhallen — bis es anders wird, so oder so. — Und warum wir's gerade ans die ״Jnterimssvnagoge" abgesehen hatten— Weil gerade sie uns all die elende Zerrissenheit und Hatbbeit, all das erbärmlich feige Schwanken und Schweben zwischen dem alten Judenthum der Väter und — beut Nichts, der Phrase, dieses sieche Provisorium des gegenwärtigen jüdischen Berlins — kurz das ächte Interim mit all seinen ernsten Gefahren und tragikomischen Scenen und Figuren, wie wir es das ganze Jahr hindurch vor Augen haben, in nuce auf ein Paar Tagen abgespiegelt. Schließlich aber bemerken wir Allen, die Horen und nickt hören wollen, daß uns, bei aller Scheu vor Persönlichkeiten, die Sacke, das heißt u nser Judenthum, weit, weit höher als alle Personen, mögen sie noch so boch gestellt sein, daß es ferner für uns keine ״nicht zu berührende Sensitiven" gibt, wenn wir Krebsschäden btoszulegen haben, und daß wir endlich, wo es sich um unsere und unsrer Väter mit dem Blute von Jahrtausenden erkauften Heiligtbümer bandelt iוון ntev oum ira et studio reden und wirken werden.. .... Seltsam genug bringt uns das auf Heine, den jetzt wieder so Vielbesprochenen. Füglich sollten gerade wir seinen Aufsatz über den Culturverein und die dabei Betheiligten näher in'ö Auge fassen, aber das thun wir lieber ein andermal, wetttt wir von jener Zeit sprechen. Bei Heine's anerkannt beschränktem Standpunkt in dieser Beziehung *) /,Ich will mit Euch handeln und wandeln, mit Euch stehen und gehen und was dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit Euch essen, mit Euch trinken, noch mit Euch beten." (Shyloc.) 10*

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