Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1854)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1854-12-01
- Page
- 151 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ÄuS Hamburg. 11. 151 ist, *vafl für unsere Armen geschieht, wenn, wie allgemein bekannt, außerdem die Privatwohlthätigkeit fortwährend in Anspruch genommen und nimmer läßig ist, sollte da nicht dies fortwährende Geben unsere Armenberölkerung verwöhnen, sollte dadurch nicht Mancher arbeitsscheu warten, bis eine mildtbätige Hand sich hier und dort für ihn öffne? Werden nicht leichtsinnige Heirathen dadurch vermehrt? .Ich will das volle Gewicht dieser Fragen keineswegs ableugnen, ich will a1ui> zugestehen, daß Mancher unsere wohlthätigen Einrichtungen mißbraucht, daß manche Ehe im Vertrauen darauf leichter geschlossert wird — aber im Ganzen überwiegt das scgens reiche Wirken unserer Anstalten den Nachtheil eines solchen Mißbrauches. Ter Fleißige wird durch sie gehalten und oft wieder gehoben, der Faule würde ohne sie in der Gesunkenheit, der Rohheit, dem Schmutze eines ctcyibcn Proletariats verkommen, statt der gesetzmäßigen Ehen würden wir wilde Ehen haben, die wie ein nagender Wurm an dem Kern des Gemeinwohles zehren, und um die Religiosität und die Sittlichkeit unserer unteren Klaffen würde es bei weitem schlimmer aussehen, als es z. B. jetzt der Fall ist. Mit der Betrachtung unserer Gemeindezustände in Bezug auf unsere Armen bin ich zu Ende. Zürnen Sie nicht, daß ich dabei so lange verweilt. Es ist das die Lichtseite unseres Gemeindewesens, und wer sonnt sich nicht gern so lange er kann, wenn er am Horizont dunkle Wolken aufsteigen sieht, die ihm bald den warmen Sonnenstrahl verschleiern werden. Freilich sehe ich den Gegenstand meiner nächsten Schilderung von mancher Wolke beschattet, darum ist es besser ich nehme für heute Abschied von Ihnen und ihren Lefern. Vielleicht gibt der gemüthliche Schein der Chanuckahlampe im nächsten Monate dem Dämmerlichte meines Bildes ein freundlicheres Kolorit.*) *) A nmer k. In meinen vorigen Bericht hat sich ein sinnentstellender Druck׳ fehler eingeschlichen. Seite 100, Zeile 8 v. u. lies bewirken statt beweisen.