Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1854)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1854-12-01
- Page
- 147 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. II. 147 sich dem Handwerkerstande, so gibt ein Handwerkerverein die nöthigen Mittel für Lehrgeld und tbeilweise Unterhalt her. Fehlt es dem Armen an Capital zur Betreibung seines Geschäftes, so hat er nur nach einein Bürgen sich umzusehen um einen zinsfreien Vorschuß zu erhalten, den er in kleinen wöchentlichen Raten abzuzahlen bat. Tritt der Winter ein, so sorgt ein Feuerungsverein für Torf und Steinkohlen. Freiwobuungcn, durch Stiftungen und Vermächtnisse in's Leben gerufen, nehmen manchem armen Familienvater die drückende Sorge für den Mietbzins ab. Außerdem eristiren Legate und Miethevereine die alljährlich zweimal zur Zeit der Mietbezablung, Geldvertheilungen und Verloosungen stattfinden Lassen. Auöstattuugsvereine, und andere Legate machen es manchem armen Mädchen möglich sich zu vcrheiratben und befreien manchen armen Familienvater von der drückendeil Sorge um die Zukunft seiner Kinder. Wird der Arme krank und ist er nicht in einem der vielen Krankenvereine die auf Gegenseitigkeit gegründet sind, so liegt es einer besonderen Abtheilung unserer Gemeinde - Armenanstalt ob, für ärztliche Behändlung, Mcdicin und die nöthige Geldunterstüyung zu sorgen. Ist die häusliche Pflege nicht ausreichend, so nimmt dao jüdische Krankenhaus den Leidenden auf. Dieses Institut hat sich bereits in ganz Deutschland den Ruf einer Musteranstalt erworben und ist es datier unnöthig, was die Räumlichkeit, die ärztliche Behandküng, die Verpflegung anbetrifft, ein Wort zu seinem Lobe hinzuzufügcn. In einem großen Saale in der Mitte des Hauses befindet sich eine in einfachem, dem Zwecke entsprechenden Style gebaute Synagoge, in der sich Krauke und Rcconvalescenten am Sonnabend und an den Festtagen zum Gebete vereinigen.'") Die Verwaltung des Krankenhauses ist ebenfalls ein Zweig der allgemeinen Armenanstalt und haben die Provisorelt derselben in den Versammlungen des Armencollegiumö Sitz und Stimme. Zu dieser gehören außerdem 7 Armenpfleger, der Wortführer des Brod- und Suppenvereins, die Armenärzte, 2 Assessoren, ein Secretär und ein *) Wie ich höre, soll eS nur dem Mangel an Energie von Seiten des Occonomen zuzuschreiben sein, daß dies nicht täglich geschieht, da immer Rcconvalescenten und alte reine vorhanden sein sollen, die sehr gern einem täglichen Gottesdienste beiwohnen würden.