Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Aus Posen
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 104 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Jüdisches Gemeindewesen. Korrespondenzen. DaS Comitö „zur Wahrung der jüdisch-religiösen Interessen" bei der (damals) bevorstehenden Repräscntanten-Wahl erließ darauf unterm 17. Juli einen Aufruf an alle diejenigen, „die für unsere Religion und deren Institutionen noch Interesse haben" und mahnte zu einem „entschiedenen, kräftigen und festen Zusammenhalten aller derer, die Herz und Sinn für unsere heilige Sache haben, denen eS Bedürfnis ist, sich über Religion Rath zu erholen, und denen cs nicht gleichgültig ist, unsere Gemeinde allen andern, selbst den kleinsten nachstehen zu sehen." Jetzt gelte eS unsere ReligionSinteressen durch die zu wählenden Gemeinde-Vertreter wieder zu beleben und zu wahren, es gelte jetzt fest zu stehen auf dem heiligen Boden unserer Traditionen und den von unfern Vätern überkommenen Glauben rein und ungetrübt unfern Kindern zu erhalten, und daher Männer zu wählen, von denen wir die Ueberzengung hatten, daß sie die Regelung des erschütterten Kultuswesens in unserer Gemeinde herbeizuführen bestrebt sein, sowie jeden: Angriff dagegen mit Muth und Beharrlichkeit entgegen treten werden. Die Wahl ging vor sich — und fiel nach dem Willen einer Parthei aus, deren Ansichten unseren Hoffnungen und Wünschen nur das Grab zu bereiten vermöchten. oo Aus Wbersthlesten. Wohlthätigkeit, diese dem Juden eigene Tugend, ist auch die Zierde und der wohlverdiente Ruhm Oberschlcsiens. Humane Vereine, Stiftungen und Institute sind ir fast allen Orten anzutrcfsen. Legate, Handweckervereine, Vereine zur Ausstattung armer Bräute, neuerdings auch Vereine um in diesem Theuerungsjahre den mittellosen, armen Eon summten Brod, Kartoffeln -c. unter dem Marktpreise verabreichen zu lassen, schmücken kleine und größere Gemeinden und findet diese menschenfreundliche Gesinnung eil: reiches Feld hülfrcicher Wohlthätigkeit in dem Elend der armen unglücklichen Brüder, die massenweise mit Weib und Kind aus den angrenzenden Städten Russisch-Polens hülscsuchead herüberschwärmen. Weniger erfreulich sind die sonstigen religiösen Zustände. Gleiwitz, in statistischer Hinsicht die größte Gemeinde OberstGlesiens, war auch die Erste, die ihren greiser: Rabbiner durch Abstandsgeld entschädigend vom Amte removirt hat, und nun, seit rer Wicderbesttzung des Nabbinats, herrscht eine lchismatische Trennung. Ein Theil der Gemeinde, mit