Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
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9b Jüdisches Gemelndcwesen. Korrespondenzen. Fall war. So ging es Kort von Geschlecht zu Geschlecht. Die Folge davon ist, vaß wir üoerhanpt im Berhättniß nur wenige recht reiche Mitglieder in unserer Gem.ciij.tde zahlen tonnen und diese wenigen sind zum großen Theil — ParveuM. Wir sind gewiß die Achten, die einer jüdischen Aristokratie, zmnaL einer Geldaristokratie, das Wort reden wollen. Das aber uiuß Jeden: einlenchten, daß einen: Manne, der seine Lebensaufgabe darin setzt, sich eine behagliche bürgerliche Stellung zu erringen, oder sich darin zu befestigen, der, um dieses Ziel zu erreichen, wie es hier nothwendig ist, mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte arbeiten muß, daß diesem Manne wenig. Zeit und wenig Luft bleibt, seinen Geist und seine Thätigkeit Bestrebungen zuzuwenden, die seinem Zwecke lerne liegen. Daß unter solche:: Umständen das jüdischreligiöse Leben, die Kennlniß desselben wie das Wirten dajiir, am Schlechtesten daran ist, liegt ans der Hand. Dieser Klasse folgt in bürgerlicher Beziehung der Mittelstand. Derselbe wird in unserer Gemeinde lgind wir dürfen uns dessen in lnancher Hinsicht freuen) durch eine große Anzahl von Familie:: und Individuen vertreten. Wir dürfen uns das Zeugniß geben, daß wir hier auf eine große Zahl wackerer, biederer Männer stoßen, von denen recht Biele auch was das jüdische Leben betrifft von den besten Absichten beseelt sind, aber auch hier treten ähnliche Berhältnisse wie die oben beregten ein. Die Leute m:Ltff.cn zun: großen Theil von Morgens früh bis Abends spät in angespannter Thätigkeit zubringen, um sich in dem allgemeinen Gcschästsgedränge aufrecht zu halten. Es genügt an hiesigem Platze unter den gegebenen Berhälrnissen nicht, sich mit einigen Geschäftsstunden, etwa an der Dvrsc abznsinder:, die meisten Geschäftsbräuchen verlangen den ganzen Menschen, die ganze Zeit. Diesen Leuten möchte inan cs am wenigsten verargen wenn sie in den wenigen freien Abendstunden Erholung im Familienkreise suchen, oder sich an: Whisttische der Sorgen entschlagen, die andern Morgens ihrer warten. „Wer thut Gutes zu jeder Zeit? Ter Mann, der Weib und ätind ernährt", lagen unsere Weisen, und dieje Antwort könnte Bielen zur Entschuldigung dienen. Wie Mancher aber widlnet einen Theil dieser wenigen freien Stunden den unzähligen Ärmeninftituten, die als Privat- oder Gemeindeanstalten segensreich wirten, ohne welche unsere Gemeinde, wie wir gleich zeigen werden, kann: bestehen könnte. Wir sind nämlich an den Punkt gelangt, wo wir von dem Zw