Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Aus Hamburg
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 95 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hamburg. 95 Aus Hamburg. *** Ilu Oktober. Sie haben Recht, v. H., es sieht noch nicht so {(Nimm mit unserer Sache aus, wie unsere Gegner und kleingläubigen Freunde uns glauben machen wollen. Wir haben vielleicht in jüngsten Jahren an Masse verloren. Wir haben aber zweisellos an innerer Kraft gewonnen. Diejenigen, die bei dern Kampfe, den das Leben, und das was überall um uuö her gelehrt und getrieben wird, uns bietet, dennoch unserer Fahne treu geblieben sind, zeugen von einer Lebendigkeit der Heberzeugung, von einer Kraft des Willens, von einem Ernst des Strebens und einer Unbestechlichkeit, den Verlockungen der Außenwelt gegenüber, daß wir getrosten MrrthcS auf diesen gesunden Kern vertrauend in die Zukunft blicken können. Was wir zu beklagen haben, ist, daß so manche gesunde Kraft hier und dort vereinzelt zu würfen sucht, sich in nutzlosen und beschwerlichen Einzelkämpfen abmüht, und endlich ermüdet, während sie im Berein mit Anderen Tüchtiges, Dauerndes hätte leisten können. Es fehlt unö bis jetzt an einem Sammelpunkt, in dem die verschiedenen Bestrebungen, die Alle nach einem gleichen Ziele hin arbeiten, sich zusammenfinden, sich gegenseitig unterstützen, rathen, belehren, von wo aus sie sich nach innen erkräftigen können, um den-Angrisf von Außen ruhig auözuhalteu, ohne fortwährend, Schwerdt in Hand, bereit sein zu müssen, die Angreifer fern zu halten. Mit Freuden habe ich daher das Erscheinen eines Blattes begrüßt, das in seiner Anlage ganz den Stofs dazu in sich trägt, einen solchen Mittelpunkt für unsere zerstreuten, vielfach vertheilten Bestrebungen -zu bilden. Wie wünschenöwerth das wäre, das ist mir erst jüngst recht klar geworden, als eine größere Reise inich hfrd) viele jüdische Gemeinden führte. Was die Individuen betrifft, so hat man überall dasselbe Bild vor Augen, so genau, daß eine Zeichnung fast für alle passen würde. Da ist eine Parthei von Männern, die längst mit dem Indenthum gebrochen, die jeden positiven Glauben überhaupt längst „überwunden" haben, die nur noch dem Namen nach, oder höchstens durch ein dunkles Gefühl von Pietät oder oft nur Aberglauben mit dem Iudenthnm Zusammenhängen, größtenteils bemüht, ans Menschlichkeit oder Fanatismus, aus Ueberzcugung oder Eitelkeit für ihre Ideen Propaganda zu machen, und ihre häusig vortheilhafte Stellung im Leben dazu benutzend, den größtmöglichen Einfluß auf das Gemeindeleben zu gewinnen., Das