Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Jüdisches Gemeindewesen. durch Ausschluß der Gemeinde von Beteiligung an ihren Angelegenbeiten unterbunden, so bedarfs sicherlich nur der ernsten offenen Aufklärung und Darlegung der unverbrüchlichen Lebensbedmgungen eines jüdischreligiösen Gemeinwesens, um die notwendige Aenderung herbeizufübren. Denn sicherlich haben immer nur das Beste solche Verordnungen beabsichtigt, und nicht an ibuen lag es, dasi ihren. Absichten der jüdische Boden des Gelingens fehlte. Sie haben das Religiöse wecken, nicht erlösten wollen. Sie baben die Entwickelung beleben, nicht beschränken wollen. Sie baben dein jüdischreligiösen Gemeindeleben die Blüte, nicht die Grabcslegnng bringen wollen. Sie werden gerne bereit sein, dem jüdischreligiösen Gemeindelebeu endlich den eigentümlichen Boden wieder zu gewähren, in welchem und auf welchem allein es Gedeihen und Vollendung erreichen kann. Endlich an innerer Schwäche und Unverstand kränkelnde Gemeindewesen gilt es wach und aufzurütteln und das Pflichtb ewusttsein und die Kraft in allen ibren Gliedern;u wecken, auf dasi vor dem heilig großen Zwecke alle kleinlichen Rücksichten der Persönlichkeit, der Eitelkeit und der Schwächlichkeit schwinden, und das jüdischreligiöse Gemeinwesen zu der lebenskräftigen Entfaltung erstarke, die es allein befähigt, Träger der großen Gottesbestimmüng, Werkzeug des heiligen Gotteswillens zu sein. Denn nur den Leib pes jüdischen Gemeinwesens. bildet der gesund gegliederte Organismus. Auf dasi dieser Organismus in Haupt und Gliedern aber nunmebr auch nur dem einen großen Zwecke der Verwirklichung des Zudeutbums diene, die Einsicht immer darüber klar vorleuchte, was dieses Judentum im Leben der Gesaimntheit und des Einzelnen zu erwarten berechtigt sei, und dieser Einsicht sich der GesammtwiUe und der Wille des Einzelnen jederzeit gerne und mit Freuden füge — dazu bedarfs des zweiten, Eingangs gedachten Momentes, dazu bedarf es der Thalmud Thora, der allverbreiteten Thorakunde, und die Bedeutung dieses Momentes für das jüdischreligiöse Gemeinwesen, wird der folgende Artikel zu entwickeln haben.