Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 2 (November 1854)
- Article
- Cheschwan
- Date
- 1854-11-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ehrschwan. 67 Wied Wenn uns diese Arznei längst gegeben, wir dieses Saatkorn längst schon hätten — wenn der Herr der Zeiten auch für solche Zeit der Erschlaffung und des Siechthums längst uns seinen ewig verjüngenden Balsam des Lebens bereitet, und dieses Saatkorn, diese Arznei, dieser Balsam eben nichts Anderes wäre, als — unser so lange verkanntes, verschmähetes Judenthum? Laß dich die Miene der Männer der vornehmen Wissenschaft nicht irren! Die Recepte studiren sie, grübeln aufs Haar nach dem Geburtstag der Amme des Pharmaceuten — um der Arznei zu entrathen. Laß sie studiren und grübeln! Trinke die Arznei und gesunde, und beweise durch deine Gesundheit daß die Arznei acht und gesund. Während sie mit aller Weisheit die Unmöglichkeit beweisen, daß ein so altes Samenkorn noch Triebkraft und Leben in sich trage, säet der lebenskräftige Jude das Saatkorn seines alten Glaubens in den frischen Acker seines unentnervten Lebens, pflegt es mit der Sonnengluth der alten Begeisterung, tränkt es mit dem Lebensthau aus dem alten ewigen Borne der Kraft, und zeigt lächelnd durch die Blüthe und Frucht, wie flach das Urtheil der Beschränktheit. So geschwunden ist der jüdische Geist noch nicht auf Erden, daß es nicht noch Stätten gebe, wo du sein stilles Wirken belauschen und an den Früchten, die selbst das einfachste Saatkorn des jüdischen Geistes in einfachsten Kreisen trägt, ermessen könnest, zu welcher Herrlichkeit sich unsere Zustände entfalten würden, wenn sie der vollen kraftreichen Saat des jüdischen Geistes ihren Schooß öffnen möchten. Willst du heutigen Tages den Segnungen des Judenthumes begegnen, suche es einmal da auf, wo es fast die einzige geistige Potenz im Gedanken- und Gefühlskreise bildet, und siehe, welche Früchte auch nur seine einfachsten, aber großen Grnndzüge in einem Lebenskreise erzeugen, bei dem du sonst alle andern Hebel des Heiles und des Segens vermiffest. Das jüdische Proletariat suche auf, — nicht das wandernde, heimathlose, — in großen, volkreichen Städten suche es auf, wo die Armuth das Elend, die Verkümmerung und Entartung sonst in ihrem Gefolge hat. Dort gehe in die Hütten der jüdischen Armen, und lasse dir von ihren Pflegern das Bild des Lebens entrollen, das dort gelebt wird. Da wird dein Herz warm werden, da wird dein Auge leuchten, da wirst du stolz werden Jude 5*