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Jeschurun · 1854-11-01 · Heft 2 (November 1854) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 2 (November 1854)
Article
Cheschwan
Date
1854-11-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 Cheschwan. Gcmüth der Kleinen über. O, daß wir Juden wären! Daß wir nnS einmal entschlössen Juden zu sein, in der ganzen herrlichen Fülle dieses Namens, mit dein ganze» Ernst und der Entschiedenheit, die dieser Weg deS Heiles bedingt! Daß wir einmal ließen das splitterrichtcndc Kritteln, und das Wort GotteS und die segnende Kraft seiner Lehre da erprobten, wo sic allein erprobt werden können, im Leben, in der Wirklichkeit, in der That! Daß wir es einmal wagten unsere Häuser jüdisch zu bauen, unsere Ehen jüdisch zu gründen, unserc Kinder jüdisch zu erziehen, unsere Geister jüdisch zu erleuchten, unsere Herzen jüdisch zu erwärmen, unsere Reden jüdisch zu begeistern, unserc Thatcn jüdisch zu leiten, unsere Genüsse jüdisch zu weihen — daß wir cö einmal wagten mit dem jüdischen Geiste, mit dem volleil jüdischen Geist, und einmal des Segens harrten, der daraus erblühen würde! Wie fest würden wir stehen in diesem schwankenden Gcschlcchte, wie innig sich alle heilige Bande uns schürzen in dieser Alles lockernden Zeit, welche Kraft würde sich bei nies entfalten, wenil auch Alles der Schwäche, welche Wahrheit, wenn auch Alles dem Truge, welche Liebe, wenn auch Alles der Selbstsucht erläge, welcher Segen, welches Heil, welch heiteres Heil würde bei uns wohnen, wenn auch Alles der Sorge und der Betrübniß verfiele! Hat denn das Hinüberschwanken inö unjüdische Leben uns so viel Segen gebracht, daß wir uns dem Wahne nicht entreißen möchten, der uns mit seinen Banden umstrickt? Sind denn unsere Herzen leichter, unsere Geister heiterer, unsere Ehen glücklicher, unsere Familien inniger geworden, seitdem wir noch mehr die Pfade des jüdischen Lebens vengffen? Sind unsere Kinder ^besser, unsere Jünglinge und Jungfrauen reiner, unsere Männer und Frauen wackerer, als es die Väter und Mütter gewesen? Sind es denn so hcilvcrkündcnde Zustände, mit beu.cn wir unser jüdisches Stillleben vertauscht? Ist es denn ein so fester Boden, an den wir aus unserem jüdischen Nachen gelandet? Sind es heitergesunde Kreise, in die wir getreten? Ist es ein fröhlich blühender Lcbcnsbaum, der uns in seinen Schatten ausgenommen? Schwankt doch überall die Zeit krank umher und sucht Arznei für ihr siech gewordenes Leben, blickt doch überall das matte Auge der Sehnsucht nach dem neuen Saatkorn aus, daö ihr den Lebenöbaum ersehen möge, der ihr welk gewordenI

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